Lehrschwimmbecken der Förderschulen in Lebach seit Monaten geschlossen: Kochen und Backen statt Schwimmen

Lehrschwimmbecken der Förderschulen in Lebach seit Monaten geschlossen : Kochen und Backen statt Schwimmen

Am Lebacher Lehrschwimmbecken sind Mängel beseitigt, doch noch immer ist das Bad geschlossen, die Zukunft ist offen.

Die unendliche Geschichte geht weiter. Nachdem das Lehrschwimmbecken an der Blindenschule Lebach wieder genutzt werden konnte (wir berichteten), sitzen die Schüler und andere Nutzer wieder auf dem Trockenen. Eigentlich nicht auf dem Trockenen, denn Wasser ist drin im Schwimmbecken. Aber wie die Saarbrücker Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen hörte, ist das Bad seit einigen Monaten wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Auf Nachfrage beim Ministerium für Bildung und Kultur heißt es: „Aus hygienischen Bedenken und Sicherheitsgründen hält das Ministerium für Bildung und Kultur (in Absprache mit den Schulleitungen und mit dem Ministerium für Inneres, Bauen und Sport) derzeit eine Freigabe des Schulschwimmbeckens sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für externe Nutzer für nicht verantwortbar. Die Gesundheit und das Wohlergehen, insbesondere für unsere Schutzbefohlenen, muss hier oberste Priorität genießen.“

Nachdem die Leitungen in den Bädern im Gebäude erneuert wurden, konnte das Problem mit Legionellen behoben werden. Auch hier berichtete die Saarbrücker Zeitung. „Allerdings“, so heißt es weiter aus dem Ministerium, „haben sich im Verlauf des Baus weitere Probleme in Bezug auf die technische Gebäudeausstattung ergeben, die eine Nutzung des Schwimmbades bis zur Fertigstellung der Bestandsanalyse nicht zulassen.“ Befürchtungen, die endgültige Schließung des Bades lasse sich nicht mehr lange aufhalten, werden durch den Überblick der Mängel, die das Ministerium auflistet, verstärkt. Das Ministerium schreibt: Bei dem ersten Versuch der Inbetriebnahme zeigten sich undichte Stellen im Bereich des Beckens, die zuerst beseitigt werden mussten. Bei dem zweiten Versuch, das Becken zu füllen, trat das Problem erneut im Bereich des Beckens und der Rohrleitungen im Technikbereich auf. Auch diese mussten zuerst beseitigt werden. Beim dritten Versuch der Inbetriebnahme konnte die Ozonanlage des Schwimmbades nicht in Betrieb genommen werden. Diese wurde daraufhin provisorisch von einer Fachfirma instand gesetzt. Wie lange diese Anlage weiterhin funktioniert, ist derzeit unklar. Ein Austausch käme auf Kosten in Höhe von zirka 60 000 Euro. Kurz im Anschluss der Reparatur der Ozonanlage fiel die Chlorsteuerung komplett aus. „Ein Angebot über den Austausch über zirka 5000 Euro liegt unserem Haus vor“, heißt es von der Pressestelle. Ob und von wem diese Kosten allerdings getragen werden, ist offen.

Die SZ fragte bei Gabriele Ebert, Förderschulrektorin der Ruth-Schaumann-Schule (Hörbehindertenschule) und Claudia Theobald, Schulleiterin der Staatlichen Förderschule für Blinde und Sehbehinderte (Louis-Braille-Schule) nach, inwieweit der Sportunterricht betroffen ist beziehungsweise wie viele Klassen Schwimmunterricht hätten. Ebert: „Aktuell findet für alle 14 Klassen unserer Schule weiterhin gemäß Stundenplan Sportunterricht statt, lediglich der 14-tägige Wechsel zwischen Sport- und Schwimmunterricht entfällt.“ Und wie viele Schüler sind betroffen? „Insgesamt besuchen derzeit 130 Schüler unsere Schule“, nennt Ebert die Zahlen. Auf die Frage, ob es für die Schüler anstelle des Schwimmunterrichts eine Alternative gebe, lautet die Antwort: „Ja, alternativ findet Sportunterricht in der Sporthalle, auf dem Sportplatz und im Kletterraum mit verschiedenen Schwerpunkten statt. Anstelle der Schwimm-AG bieten wir bis auf Weiteres eine AG Kochen und Backen an.“

Eine komplette Schließung des Schwimmbades würde sie im Hinblick auf ihre Schüler sehr bedauern. Die Ausstattung der Sport- und Schwimmhalle berücksichtige die besonderen Bedingungen, die Schüler mit einer Hör- oder Sehbehinderung im Unterricht benötigen. Aufgrund der Hörbehinderung stelle der Schwimmunterricht für die Kinder und Jugendlichen (und auch für die Lehrkräfte) eine besondere Herausforderung dar, da sie diesen ohne ihre Hörhilfen (in der Regel nicht wasserdicht) bewältigen müssen. Dies sei auch mit ein Grund, dass die meisten Kinder, die in die 1. Klasse eingeschult werden, noch nicht schwimmen können. Abschließend hofft die Förderschulrektorin, „dass die Reparaturarbeiten bald zu Ende sind und sich nicht noch neue Problembereiche ergeben. Die Schüler fiebern bereits jetzt dem Tag entgegen, an dem das Schwimmbad wieder genutzt werden kann.“

Bernhard Britz, Schulleiter an der Nikolaus-Groß-Schule, äußert sich ganz konkret und sehr direkt auf die Frage, was eine Schließung des Lehrschwimmbeckens bedeuten würde? „Das wäre eine Katastrophe!“ Acht Grundschulklassen, 180 Schüler, dazu aus der Gemeinschaftsschule drei Klassen mit 75 Schülern hätten keine Möglichkeit zu schwimmen. „Es gibt keine Alternative. Derzeit gehen die Lehrer mit den Schülern bei Wind und Wetter in den Wald“, betont Britz.

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