| 20:54 Uhr

Kinderhilfe Chillán
Die Millionen-Sammler von Lebach

Schwester Delphine Gafan (links) bei der Essensausgabe in der Schule von Hangoumé in Togo. Für die Landschule konnte mit dem Geld, das die Lebacher Initiative gesammelt hat, ein Speisesaal für 300 Kinder gebaut werden.
Schwester Delphine Gafan (links) bei der Essensausgabe in der Schule von Hangoumé in Togo. Für die Landschule konnte mit dem Geld, das die Lebacher Initiative gesammelt hat, ein Speisesaal für 300 Kinder gebaut werden. FOTO: Monika Hoffeld
Lebach. Kleiner Verein mit Riesen-Erfolg: 7,7 Millionen Euro für Projekte in Chile und Togo hat die Lebacher Kinderhilfe Chillán schon gesammelt. Am 11. September feiert sie ihr 40-jähriges Bestehen. Von Lea Bonischot

Begonnen hat es 1976 mit gerade mal 20 Kilogramm Kleidern, die gespendet wurden. Heute, gute 40 Jahre später, sind es unglaubliche 7,7 Millionen Euro, die die Lebacher Kinderhilfe Chillán gesammelt hat. Und das hat der kleine Verein mit bloß zehn Mitgliedern geschafft. Jährlich treiben sie fast 200 000 Euro für Kinder in Chile und Afrika auf. Eine schier unglaubliche Erfolgsbilanz.


Doch wie fing das eigentlich an? Als nach dem Militärputsch 1973 in Chile die ersten politisch verfolgten Chilenen ins Flüchtlingslager nach Lebach kamen, war Monika Hoffeld einfach da – und hat geholfen. Da die Menschen nicht viel hatten, kümmerte sie sich erst mal darum, dass sie etwas zum Anziehen bekamen. Damals aber gab es so gut wie keine Kleidersammelstellen, erzählt Hoffeld, Mitbegründerin der Kinderhilfe Chillán. Trotzdem kam überraschend viel zusammen. Und es waren am Ende so viele Kleider, dass sie nicht nur für die Neuankömmlinge in Lebach reichten. Also entschloss sich Monika Hoffeld auch Kleiderpakete nach Chile, in das Dorf Chillán, zu schicken. Das war die Geburtsstunde der Kinderhilfe Chillán, die Hoffeld 1978 mit dem Lebacher Pfarrer Hermann-Ludwig Meiser gründete.

Anfangs förderte das Kinderhilfswerk Chillán, wie der Verein offiziell heißt, nur Projekte in Chile. Die Förderung beschränkte sich zunächst auf die Finanzierung des Essens für Vorschulkinder, erklärt die Vereinsvorsitzende. 1981 reisten Hoffeld und Meiser dann nach Chile, um zu schauen, ob die Spenden gut ankommen und wie man am besten helfen kann. „Die Not der Straßenkinder war riesig“, erinnert sich Hoffeld. Ihnen fehlte vor allem ein Dach über dem Kopf. So begann die Kinderhilfe 1983 mit dem Bau des Kinderdorfs „Villa Jesus Nino“: zehn Häuser und ein Gemeinschaftshaus. Dort fanden ehemalige Straßenkinder in Familiengruppen ein neues Zuhause. Weitere Projekte in Chile folgten. „Im Vordergrund für uns steht immer die Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Werner Kallenborn, Schriftführer des Vereins: „Wenn sich die Strukturen bessern, ziehen wir uns zurück.“



Als die Not in Chile nicht mehr so groß war, entschied sich der Verein, auch Kindern in Togo zu helfen. Durch den Kontakt von Monika Hoffeld zu der togoischen Ordensfrau Schwester Delphine Mawuko Gafan erfuhr die Kinderhilfe von den Nöten in Togo. Viele Kinder wuchsen als Aids-Waisen auf, etliche litten schon in jungen Jahren an der Augenkrankheit Grauer Star. Es fehlte selbst an einfachster medizinischer Versorgung. Also half die Kinderhilfe Chillán bei der Finanzierung eines medizinischen Zentrums. Man unterstützte die Augenklinik in Togo und finanzierte auch wichtige Augenoperationen. Zudem steht man 100 Aidswaisen bei. Dafür wendet die Kinderhilfe 5000 Euro pro Monat auf; heute gehen rund 90 Prozent der Spenden nach Togo.

Bleibt von dem Geld etwas übrig, kümmert sich Schwester Delphine, die in Togo die Projekte leitet, noch um Menschen mit Behinderung. Das kann auch bedeuten, dass man einer Familie eine Wasserpumpe finanziert, damit sie sich mit dem Verkauf von Wasser in der Nachbarschaft etwas dazu verdienen kann. Auch in Togo ist es der Kinderhilfe Chillán wichtig, dass sich die Menschen auf lange Sicht selbst helfen können, so Hoffeld.

„Es kann mit relativ wenig Geld viel geholfen werden“, sagt Werner Kallenborn. Wie beim Schulprojekt in der togoischen Landgemeinde Hangoumé. Die Verein zahlt dort die Gehälter für vier Lehrer, denn der Staat finanziert bloß zwei Lehrer – für 250 Schüler. „Nach einem Besuch an der Schule stellten wir fest, dass die meisten Schüler ohne etwas zu essen auskommen müssen“, erzählt Monika Hoffeld. Deshalb gibt die Kinderhilfe Geld dafür, dass wenigstens drei Mal in der Woche die Schüler ein Essen bekommen. Auch der Bau eines Speisesaals wurde mit 25 000 Euro unterstützt.

Um an Spenden zu kommen, setzt die Kinderhilfe auch auf spektakuläre Aktionen. Neben den jährlichen „Hungermärchen“ rief man auch alle paar Jahre zum „Geldteppichlegen“ auf. Zuletzt, 2003, belegten Spender 116 Quadratmeter auf dem Lebacher Marktplatz komplett mit Münzen: 32 492 Euro für die Projekte der Kinderhilfe. Zum 40-jährigen Jubiläum, am 11. September, wird es wieder eine ganz besondere Spendenaktion geben. Vor der Postfiliale in Lebach soll unter dem Motto „Afrika“ symbolisch eine afrikanische Hütte gebaut werden. Die Besucher können dann gegen eine Spende von 2,50 Euro oder fünf Euro Steine kaufen und die Wände der Hütte mauern. Wer nicht selbst kommen kann, kann trotzdem etwas unter dem Kennwort „Afrika-Hütte“ auf eines der Konten der Kinderhilfe Chillàn überweisen. Die fertige Hütte bekommt übrigens der Kindergarten in Lebach-Steinbach.

Die Aktion läuft am Dienstag, 11. September, auf dem Lebacher-Mariä-Geburtsmarkt von 9 bis 18 Uhr. Am morgigen Donnerstag, 6. September, um 19 Uhr, stellen die Kinderhilfe und Schwester Delphine Gafan im Pfarrsaal Lebach ihr Togo-Projekt vor.

Monika Hoffeld
Monika Hoffeld FOTO: Monika Hoffeld