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Johannes-Kepler-Gymnasium Lebach: Schüler wieder zurückgekehrt

Kostenpflichtiger Inhalt: Lebacher Schüler wieder zu Hause : Vom glücklichen Ende einer aufregenden Südtirol-Reise

70 Schüler und ihre acht Lehrer kehren am Mittwochabend zum Johannes-Kepler-Gymnasium in Lebach zurück. Was wird mit ihnen und ihren Eltern passieren?

Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die rund um die Johannes-Kepler-Halle zu spüren ist. Ein Blick auf die Uhr, es ist kurz vor 18 Uhr in Lebach. Die ersten Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stehen bereits vor der Halle, ein Zelt vor der Tür, auch mehrere Lichter warten mit Einbruch der Dunkelheit auf ihren Einsatz. Noch ist nichts von einer möglichen Anspannung zu merken, die Lage ist entspannt.

Wenige Minuten nach 18 Uhr trudeln die ersten Eltern der rund 70 Schülern ein, die darauf warten, ihr Kind wieder in Empfang und mit nach Hause zu nehmen. Sie werfen einen Blick auf die Johannes-Kepler-Halle, werden von Polizeibeamten darauf hingewiesen, dass sie sich in der Aula versammeln sollen. Wie die Polizei mitteilt, sind sieben Beamte im Einsatz, um einen sicheren und vor allem reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit informieren Landrat Patrik Lauer und Schulleiter Hans Herrmann die Eltern über das weitere Vorgehen. Foto: leis/Tina Leistenschneider

Denn wenn die 70 Schüler und acht Lehrer von ihrer Skifahrt aus Südtirol zurückkehren, muss weiterhin Ruhe bewahrt werden. Ursprünglich sollten die Zehnerklassen des Johannes-Kepler-Gymnasiums erst am Freitag zurückkehren, doch der Schulleiter, Hans Herrmann, entschied sich am Dienstag für eine vorzeitige Rückkehr. Als die Schüler vergangenen Donnerstag gen Süden fuhren, war das Gebiet vom Robert-Koch-Institut noch am selben Tag als Risikogebiet ausgewiesen worden, am Folgetag riet das Auswärtige Amt Bundesbürgern von Reisen nach Südtirol und Italien ab. „Aber da waren die Schüler schon angekommen“, erzählt Herrmann. Zusammen mit Landrat Patrik Lauer ist er nach Lebach gekommen, um bei einer informellen Veranstaltung über das weitere Vorgehen zu informieren und Fragen der Eltern zu beantworten.

Warum man sie dann nicht direkt zurückholte? „Weil der allgemeine Tenor lautete, dass sie als einzige Gruppe in dem 80-Einwohner-Ort sind“, erzählt Herrmann. Das Skigebiet Trafoi, in dem die Schüler untergebracht waren, war leer, ebenso die Pisten, die Südtirol zuletzt am Dienstag sperrte – einer der Gründe, wieso die Schüler früher nach Hause kommen, wie der Schulleiter erklärt. Der weitere Grund: „Österreich kündigte an, die Grenzen dichtzumachen“, sagt Herrmann, der sich daraufhin mit dem Landkreis und den Gesundheitsbehörden beriet und schließlich die Rückkehr veranlasste.

Die Sanitäter und Polizeibeamte warten auf die beiden Busse mit den 70 Schülern aus dem Risikogebiet Südtirol. Foto: leis/Tina Leistenschneider

Dabei stand er in stetigem Kontakt zu den Lehrern, die mitgefahren sind. „Die Busse sind am Mittwochmorgen um zwanzig vor zehn im Ort angekommen und um zehn Uhr wieder abgefahren“, erzählt Herrmann, danach seien die Busse gut durchgekommen. „Die Einreise verlief absolut problemlos“, schildert der Schulleiter, nur bei Pforzheim habe man etwas im Stau gestanden. Und die Schüler? „Die sind symptomfrei“, sagt Herrmann deutlich, „und ärgern sich, dass sie jetzt früher heimkommen.“

In der Aula versammeln sich Landrat, Schulleiter, Sanitäter und die Eltern, die nach ihrer Ankunft eine Aussteigerkarte mit Wohnanschrift und Namen der Familienangehörigen ausfüllen müssen, zudem erhalten sie Infomaterial, was in der 14-tätigen freiwilligen Quarantäne, in die die Schüler nach ihrer Untersuchung gehen, zu beachten ist. Sie sollen jetzt zu Hause bleiben, soziale Kontakte vermeiden, wenn möglich getrennte Badezimmer verwenden und Wäsche sowie Hände regelmäßig reinigen.

Der Sichtschutz vor der Kepler-Halle wird aufgebaut. Foto: leis/Tina Leistenschneider

Laut Lauer erkundigten sich viele Eltern danach, ob sie dennoch arbeiten gehen können und ob die Geschwisterkinder in Gefahr seien. „Solange es keinen Anlass gibt, können die Eltern arbeiten gehen“, sagt Lauer, auch die Geschwister können weiterhin in die Schule. Dennoch bat er die Familien darum, vernünftig zu sein, Umarmungen und Küsse zu unterlassen und sich umgehend die Hände zu waschen, sobald man etwas angefasst habe, auf dem das Virus sein könnte. „Viele Eltern waren darüber erstaunt, dass die Kinder heimkamen“, erzählt Lauer, der die Situation als entspannt wahrnimmt. Nach der Informationsveranstaltung haben die Eltern applaudiert.

Reger Smartphone-Verkehr: „Wie geht’s dir?“

In der Zeit, in der die Eltern auf ihren Nachwuchs warten, hängen einige an ihren Smartphones, stehen in stetigem Kontakt zu den Schülern. Ob sie es bereut, dass ihr Kind mitgefahren ist, frage ich eine Mutter? „Nein“, antwortet sie, „die Schule hat uns im Voraus über das Risiko informiert, und ich habe abgewägt, ob das Risiko einer Infektion zu Hause größer ist. Und sie erschien mir in dem kleinen Dorf geringer“, sagt sie. „Es war meine freie Entscheidung und die Kinder hatten Spaß. Warum sollte ich ihnen den verderben wollen?“

Eine weitere Mutter stimmt ihr zu, während sich ein Vater zum Schulleiter gesellt und versichert: „Sie haben alles richtig gemacht. Die Eltern waren vollends informiert und haben sie gelassen.“ „Die Kinder waren im Ort regelrecht isoliert“, ergänzt eine Mutter, die berichtet, dass die Schüler fragten, ob sie wirklich nach Hause müssten. Natürlich gab es auch Vorwürfe, wie Schulleiter Herrmann erzählt, andere wiederum bekräftigten die Entscheidung, die Fahrt nicht abzusagen. „Es war ein großer Druck“, gibt Herrmann zu.

Um halb acht ist der erste Bus da

Es ist kurz nach 19.30 Uhr, als der erste der zwei Busse mit den Heimkehrern an der mit Sichtschutz umgebenen Sporthalle auf dem Schulgelände vorfährt. Dann steigt ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in Schutzkleidung in den Bus, um die Schüler über das weitere Vorgehen aufzuklären. Geschlossen führt er die Schüler durch den Hintereingang in die Turnhalle, wo sie nacheinander in einer der drei Test-Stationen der insgesamt drei Ärzte zweimal getestet wurden. Zum einen mit einem Abstrich aus dem Mund auf das Virus und zum anderen auf körperliche Symptome. Sobald die Untersuchung durchgeführt ist, wird per Funk den DRK-Sanitätern in der Aula Bescheid gegeben, die dann die Namen der Kinder aufrufen – das Zeichen für die Eltern, dass sie ihre Kinder abholen können.

Laut Landrat Lauer sollte die Untersuchung maximal zwei Stunden dauern, kurz nach 20 Uhr sind die ersten Schüler durch. Gegen 21.30 Uhr teilt das Landratsamt mit, dass die letzten Kinder schon auf dem Heimweg sind. Der befürchtete Sturm bleibt aus, von Panik keine Spur. Zu Hause erwartet die Kinder eine 14-tägige Quarantäne, auch die Busfahrer müssen in freiwillige Quarantäne. Die Testergebnisse werden für Freitag erwartet.