In Aschbach entwickelte sich eine außergewöhnliche Freundschaft

Mit einer Kriegsgefangenschaft fing alles an : Eine außergewöhnliche Freundschaft

Der Krieg brachte zwei Familien aus Deutschland und Frankreich zusammen. Jetzt gab’s ein Treffen in Aschbach.

Wie sich aus einer Kriegsgefangenschaft nach über 70 Jahren eine nachhaltige deutsch-französische Familienfreundschaft entwickelt hat, zeigte sich kürzlich im Lebacher Stadtteil Aschbach. Dort besuchte eine siebenköpfige Familie aus Frankreich den pensionierten Realschullehrer Gilbert Schirra, dessen Lebensgefährtin Anita Engel und Schirras Bruder Arnold mit Gattin Sibylle.

Die Gäste aus Ostfrankreich sind Nachkommen des Landwirtes Jacques Genoud, der in Douvaine in der Nähe des Genfer Sees nach dem Zweiten Weltkrieg einen Bauernhof bewirtschaftete. Auf dem Hof musste der Vater von Gilbert Schirra, der selbstständige Schmied und Schlosser Alfred Schirra, 1946 für einige Monate als Kriegsgefangener arbeiten. Anders als erwartet „schwärmte“ Schirra Senior jedoch Zeit seines Lebens immer wieder von seinem damaligen Zwangsaufenthalt am Genfer See (wir berichteten). „Da er keinen Führerschein und kein Auto besaß, konnte mein Vater die Familie Genoud-Lacreusaz in Douvaine nach dem Krieg nie besuchen, obwohl er dies gern getan hätte“, sagt Gilbert Schirra.

Der Aschbacher reiste in den Jahres 2016 und 2017 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ins Département Haute-Savoie, um dort in historischen Archiven zu recherchieren und sich auf die Spuren seines Vaters zu begeben. Aber erst im Rathaus von Douvaine konnte Schirra die Adresse einer Tochter des verstorbenen Jacques Genoud ausfindig machen. Ein Brief von zu Hause an diese Adresse führte dann zum ersten Kontakt zwischen den beiden Familien. „Vor einem Jahr folgte ich gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin und meinem Bruder Arnold sowie dessen Gattin Sibylle der Einladung von Christine Genoud an den Genfer See“, erzählt Schirra. Daraus habe sich eine intensive deutsch-französische Familienfreundschaft entwickelt, die nun mit einem Gegenbesuch der Franzosen in Aschbach intensiviert worden sei.

„Herzlich willkommen, liebe Familie Genoud hier bei uns in Aschbach“, hieß es in Französisch auf einem Banner, umsäumt von der deutschen und französischen Flagge, die Schirra vor seiner Garageneinfahrt eigens für die französischen Familie aufgehängt hatte. Christine und Michel Genoud sowie Denise Zaire, die Kinder von Jacques Genoud, und deren Angehörigen sind erstmals in Deutschland.

„Es gefällt uns sehr gut hier“, erzählt Christine Genoud, deren Schwiegertochter Cindy Schwartz aus dem Französischen übersetzte. Sie ist Deutschlehrerin, stammt aus Saargemünd und hat zeitweise in Bielefeld studiert. „Es ist schön, dass sich unsere Familien über Grenzen hinweg zu dieser außergewöhnlichen Freundschaft zusammengefunden haben“, sagt Cindy Schwartz.

An den beiden Besuchstagen hat die Familie Schirra ein vielfältiges Besichtigungsprogramm für ihre französischen Gäste arrangiert. „Wir waren auf dem Schaumberg, am Bostalsee, an der Saarschleife, in Mettlach, Saarlouis und zuletzt in Trier“, erzählt Schirra. „Freundschaft soll aktiv gelebt werden“, sagt dessen Lebensgefährtin Engel.

Alfred Schirra aus Aschbach. Foto: Dieter Lorig
Jacques Genoud als Soldat. Foto: Dieter Lorig

Die Einladung der Franzosen für einen erneuten Besuch der Familie Schirra im Jahr 2020 in Frankreich steht bereits.

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