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Im übrig gebliebene Torhaus von Lebach wohnen heute die Eigentümer

Besonderheiten von La Motte : Einen Rittersaal und 34 Herrschaftszimmer besaß das Schloss

Das moderne Navi führt schon seit einigen Jahren zum „Hofgut La Motte“ vor den Toren Lebachs. Das heute von Karl-Hubert und Martina Brodback geführte landwirtschaftliche Hofgut markiert die Stelle, wo einst das barocke „Schloss La Motte“ den in Lebach ansässigen Freiherren von Hagen zur Motten als Stammsitz diente, die dorthin um 1300 ihren Sitz vom alten Schloss zum letzten Standort verlagerten, zu dem noch heute eine alte Allee führt.

Historiker führen  die Bezeichnung des Adelssitzes „zur Motten“ auf den frühmittelalterlichen Wehrbautyp „Motte“ zurück. Solche frühen Anlagen sahen im Prinzip einen von einem Graben umgebenen Hügel vor, auf dem zunächst nur ein gemauerter Wehrturm errichtet wurde, der von den jeweiligen Adelsfamilien als Schutz- und Wohnraum genutzt wurde. Die Edelfreien von Hagen verließen um 1300 die bereits aus dem 11. Jahrhundert stammende Ringwallburg auf dem „Alten Hahn“ bei Lebach und richteten sich in ihrer mittelalterlichen „Mottenburg“ im Theeltal wohnlich ein.

Nachdem der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg im Jahre 1332 von den Edelfreien von Hagen die Übertragung ihres Besitzes erzwungen hatte, erteilte er dem Geschlecht von Hagen die Erlaubnis, auf der Burganlage mit Vorburg und einem äußeren Graben ein steinernes Haus auf rechteckigem Grundriss mit drei Fuß dicken Wänden zu errichten, das ohne Mörtel gemauert und nur mit einem dünnen Kalkputz versehen werden durfte. Ein weiterer Steinbau wurde der Adelsfamilie auf dem fortan erzbischöflichen Lehen nicht gestattet. Mit diesen Vorgaben wurden die streitbaren Edelherren gleichzeitig in den Ritterstand degradiert.

Zwischen 1707 und 1711 entstand dort das barocke Familienschloss La Motte des Freiherrn Johann Wilhelm Ludwig von Hagen zur Motten, das als elegantes Wasserschloss geplant und errichtet wurde. Daraus resultierte letztlich eine frühbarocke Schlossanlage mit großzügigem Wirtschaftshof, zu dem offenbar der bis heute erhaltene Torbau gehörte. Der Schlossneubau wurde teilweise auf den Fundamenten eines frühbarocken Vorgängerbaus des 17. Jahrhunderts errichtet, wobei das noch erhaltene Torhaus in die Schlosskonzeption integriert wurde. Beibehalten wurde ferner der Wasserschlosscharakter der Gesamtanlage mit ihren Wassergräben.

Das Schloss verfügte außerdem über einen großen, gewölbten Festsaal, eine repräsentative Enfilade (Zimmerflucht) und praktische Innentreppen. Es soll 34 Herrschaftszimmer, einen Rittersaal, Unterkünfte der Dienerschaft, sowie große Stallungen (für etwa 50 Pferde, 100 Rinder und 400 bis 500 Schafe) in den Wirtschaftsgebäuden sowie eine Mühle mit zwei Mahlgängen besessen haben.

Mit dem Tod des Reichshofratspräsidenten Johann Hugo (II.) von Hagen im Alter von 84 Jahren im Jahre 1791 erlosch die Lebacher Adelsfamilie. Die lothringische Linie derer von Hagen, de la Haye, übernahm letztendlich nach langen juristischen Streitigkeiten im Jahr 1806 große Teile des Besitzes, darunter auch das Schloss Motten. Nachdem auch diese lothringische Linie erloschen war, stand das Hofgut 1822 zum Verkauf. Im Jahr 1846 wurde es schließlich zur öffentlichen Versteigerung freigegeben. Von den Besitzern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ der Bankier Abraham Mayer bis zum Jahre 1882 den größten Teil des Schlosses abreißen. Das neben einem Teil der Stallungen übrig gebliebene Torhaus dient heute den Eigentümern Karl-Hubert und Martina Brodback als Wohnhaus