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Blei in Trinkwasser
„Ich bin entsetzt, was passiert ist“

Bürgermeister Klauspeter Brill stand am Dienstag den Eltern im Kindergarten Rede und Antwort – und in der Kritik.
Bürgermeister Klauspeter Brill stand am Dienstag den Eltern im Kindergarten Rede und Antwort – und in der Kritik. FOTO: Thomas Seeber
Lebach. In Lebach informierte die Verwaltung über das mit Blei belastete Trinkwasser des Kindergartens. Eltern und Gesundheitsamt erheben Vorwürfe. Von Monika Kühn

Zwei gravierende Fehler hat Bürgermeister Klauspeter Brill am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung zum erhöhten Bleiwert im Trinkwasser des städtischen Kindergartens in Lebach eingeräumt. In aller Form entschuldigte er sich bei den Kindern und ihren Eltern sowie dem Personal dafür. „Ich bin entsetzt, was passiert ist. Dieser Fehler wird sich nicht mehr wiederholen.“ Bei einer Routinekontrolle im Januar waren zwei erhöhte Bleiwerte im Trinkwasser festgestellt worden (wir berichteten). Bei den Proben wurden Werte von 0,021 beziehungsweise 0,049 Milligramm pro Liter (mg/l) gemessen. Der Grenzwert liegt bei 0,010. Somit sei der Wert doppelt beziehungsweise fünffach zu hoch gewesen. Die Probe machte ein unabhängiges Labor, das die Messergebnisse an die Verwaltung meldete. Dort wurden sie nicht beachtet oder falsch eingestuft, wie Brill zugeben musste. Sie blieben einfach liegen.


Der zweite Fehler stammt aus dem Jahr 2014. Damals wurde ebenfalls ein erhöhter Bleiwert gemessen, 0,015 mg/l. Diese Erhöhung ignorierte die Verwaltung ebenfalls, da sie ihr zu gering im Vergleich zu älteren Grenzwerten erschien. „Das war falsch“, sagt Brill heute.

Am 13. März wurde das Gesundheitsamt informiert und ein Fachunternehmen mit neuen Proben beauftragt. Künftig wird dieses Labor gleichzeitig das Gesundheitsamt über die Messergebnisse informieren. Zudem wurde angeordnet, nur noch verpacktes Wasser zum Trinken und zum Zubereiten von Essen zu nutzen.

Fast 100 Eltern waren zu der Informationsveranstaltung in den Kindergarten gekommen, zu der die Verwaltung zudem vom Gesundheitsamt Dr. Wolfgang Schmitt und Henning Adam sowie den Chefarzt der Inneren Abteilung des Lebacher Krankenhauses, Dr. Winfried Holz, und den Lebacher Kinderarzt Dr. Carsten Graf eingeladen hatte.

 Graf erklärte, dass er sich bei Experten informiert habe. Die doppelte beziehungsweise fünffache Erhöhung sei nicht als bedrohlich einzustufen. Das Wasser sei auch nicht inhaliert worden, was schlimmer wäre. Doch auch bei Trinkwasser müsse mit Schäden gerechnet werden, wenn zum Beispiel ein sechs Monate alter Säugling jeden Tag 300 Milliliter Wasser trinkt, das einen 100fach erhöhten Bleiwert aufweist. Eltern sollten auf Symptome achten. Blut- und Urinuntersuchungen könnten Aufschluss geben. Winfried Holz betonte, dass 90 Prozent wieder ausgeschieden werde.



Schmitt glaubt bei den Messwerten zwar nicht an einen Zufallsbefund, verwies aber darauf, dass auf jeden Fall erst die Ergebnisse der neuen Proben abgewartet werden müssten. Dies seien aufwendige Untersuchungen. Sein Kollege Engel, der für Lebach zuständig ist, warf der Verwaltung vor, dass die erhöhten Werte dem Gesundheitsamt hätten gemeldet werden müssen. Die erhöhte Konzentration könnte auch aus Armaturen oder Verbindungsstücken, aber auch aus den Bleirohren stammen, die bei der Renovierung 2014 nicht ausgetauscht worden waren.

Matthias Lahm, Vorsitzender des Elternausschusses, sowie Eltern zeigten sich mehr als verärgert, dass die Verwaltung so spät reagiert habe und fragten auch, warum bei der Renovierung nicht alle Leitungen erneuert wurden.

„Warum hat die Verwaltung entschieden, den erhöhten Wert nicht zu melden“, fragte Silvana Buzarslam. Jeanette Engel wollte nicht alte und neue Werte miteinander verglichen haben. Grenzwerte seien da, um eingehalten zu werden. Die Verwaltung habe mit der Gesundheit der Kinder und des Personals gespielt, merkte Lydia Ziegler erbost an. „Ich hoffe, es geht gut aus, und es bleiben keine Schäden zurück.“

Bürgermeister Brill bat die Eltern, die neuen Ergebnisse abzuwarten. Man müsse erst herausfinden, wo und wie es zu den erhöhten Werten gekommen sei. Im schlimmsten Fall müssten die Rohre erneuert werden. Der Kindergarten werde, sollte dies eintreten, nicht geschlossen. Die Arbeiten würden dann bei laufendem Betrieb durchgeführt. Den Kindergarten besuchen derzeit 113 Kinder, 28 davon gehen in die Krippe.