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Hexenverbrennung
Hexenhysterie am Schaumberg

Thalexweiler/Riegelsberg. SZ-Leser Robert Woll stieß in der Familienchronik auf die Verbrennung seiner Urahnin.

Auf der Suche nach seinen Urahnen ist unser Leser, der 94 Jahre alte Robert Woll aus Riegelsberg, auf ein überaus interessantes Detail in der Familienchronik gestoßen. Am 15. Juli 1618, also vor genau 400 Jahren, wurde Agnes Woll in Thalexweiler auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbannt. Sie ist die „neunfache“ Urgroßmutter von Robert Woll und er wüsste zu gerne, warum sie diesen Tod sterben musste. Auch interessiert es ihn, ob in dem Lebacher Stadtteil dieses historische Detail bekannt ist. „Das ist es“, erklärt auf telefonische Anfrage Thomas Besse, Vorsitzender des Thalexweiler Vereins für Heimatgeschichte. Laut dem Thalexweiler Familienbuch von Gerhard Storb, Gilbert und Johannes Naumann aus dem Jahr 2002 wurde Agnes Woll aus Thalexweiler am 15. Juli 1618 wegen Hexerei hingerichtet. Sie war mit Hans Woll aus Thalexweiler verheiratet, der 1601 als Zenner der Zennerei Thalexweiler erwähnt wird.


Die Hinrichtung von Agnes Woll im Jahr 1618, erklärt Besse, ist in den Akten des Departementsarchivs in Nancy (B 9326) belegt. Sie teilt das Schicksal mit drei Frauen aus dem Schaumberger Land, die im Jahr 1618 ebenfalls der Hexenhysterie zum Opfer fielen. „Oft sind die Prozessakten der Hinrichtungen nicht erhalten geblieben, sondern lediglich die penible Abrechnung der Gerichts- und Hinrichtungskosten - bis hin zu den Kosten für das Holz des Scheiterhaufens zeugen von dem schweren Los dieser hingerichteten Frauen“, sagt der Heimatforscher. „Aus den Aufzeichnungen im Thalexweiler Familienbuch kann man nicht schließen, ob diese Frauen die Zauberei praktizierten oder gar mit dem Teufel im Bunde standen. Oft wurden die Frauen nur für Seuchen oder Missernten verantwortlich gemacht und denunziert. Hier müsste aber ein vertieftes Studium von eventuell erhalten gebliebenen Prozessakten hinzugezogen werden“, sagt er.

Zu finden ist ein Eintrag über Agnes Woll auch in zwei Publikationen. Zum einen findet sich die Geschichte der Frau von Johann Woll in der Saarländischen Familienkunde (Band 6, Heft 93, 1991, Seite 371), zum anderen in „Lauter kleine Leute — Die Geschichte einer leibeigenen Familie“ von Gisela Meyer-Franck. „Ich gehe davon aus, dass in beiden Büchern keine neuen Daten über Agnes enthalten sind. Die umfassenden Daten sind im Thalexweiler Familienbuch enthalten. Darin ist auch zu erfahren, dass der wohlhabende Wollenhans vier Morgen (Tagwerk) Ackerland und Wiesen besaß. Er war damit wohl ein wohlhabender Bauer, der auch in Krisenjahren noch was zu essen hatte“, erklärt Besse. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum seine Frau als Hexe verbrannt wurde.



(cim)