GSG Lebach gedenkt Stauffenberg-Attentat

Gedenken : Skulpturen stehen für mutige Menschen

Gedenkfeier am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach zum Stauffenberg-Attentat auf Hitler.

„Wo Recht zu Unrecht wird, da wird Widerstand zur Pflicht.“ Mit diesem Appell beendete Klaus Peter Schirra, Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr im Saarland, seine Gedenkrede zum 75. Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentates auf Adolf Hitler. In einem festlichen Rahmen wurde am Donnerstag im Lebacher Geschwister-Scholl-Gymnasium der Verschwörer rund um den General gedacht.

Gestaltet wurde die Gedenkfeier anlässlich des 20. Juli 1944, die wegen der Sommerferien verschoben wurde, von der Erinnerungs-AG der Schule. Erinnerungs- und Informationstafeln zu den Beteiligten des Putschversuches, die Vorbereitungen des Attentates, genaue Erklärungen zum Ablauf des 20. Juli sowie die Folgen, die der Tag für die Verschwörer und das Nazi-Regime hatte, waren im gesamten Saal zu entdecken: „Ob die Attentäter gescheitert sind, entscheidet sich an der geistigen Haltung unserer gesamten Generation, also an unser aller Haltung“, mahnte Oberst Schirra, die mutige Tat der Männer, die damals ihr Leben aufs Spiel setzten, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Er empfinde Scham dafür, dass die meisten Deutschen heutzutage nicht einmal zehn Namen der rund 200 Verschwörer von damals benennen könnten. Und von den Frauen im Widerstandskampf sei, abgesehen von Sophie Scholl, keine in der Gesellschaft bekannt.

Auch die Leiterin des Gymnasiums, Heidemarie Schwindling, hob den persönlichen Mut der Männer und Frauen des Widerstandes hervor: „Hinschauen, sich berühren lassen von dem Schicksal anderer ist eine Voraussetzung für eine kritische Haltung und Widerstand, das ist heutzutage genauso wichtig und aktuell wie damals.“

Ebenfalls zur Gedenkfeier gekommen war Felix Graf von Hardenberg. Sein Großonkel zählte damals zum engsten Kreis der Verschwörer um Graf von Stauffenberg, Carl-Hans Graf von Hardenberg. Von Hardenberg berichtete den Besuchern von den persönlichen Gesprächen, die er mit seiner Familie geführt hatte und wie diese Zeitzeugen die damaligen Geschehnisse erlebt hatten: „Mein Großonkel und seine Kameraden, die am Attentat beteiligt waren, sind Vorbilder, weil sie ihr Gewissen über den vom Unrechtsstaat geforderten Gehorsam stellten.“ Sehr detailreich schilderte von Hardenberg den Zwiespalt, in dem sein Großonkel zu jener Zeit steckte und wie es ihm durch die Gräueltaten des Regimes nach und nach unmöglich geworden sei, weiter tatenlos wegzuschauen.

Aufgelockert wurde die andächtige Veranstaltung vom Chor der Schule mit mehreren Musikbeiträgen, darunter „Fragile“ von Sting, „Après un rêve“ von Gabriel Fauré und „Imagine“ von John Lennon. Die Erinnerungs-AG zeigte unter anderem ein Video, das die Schüler, passend zum Thema der Gedenkfeier, in der Saarbrücker Innenstadt gedreht hatten. Darin führten sie Straßeninterviews, was denn die Passanten mit dem Schlagwort Erinnerung verbinden und was ihnen „sich erinnern“ bedeute. Die Antworten der Passanten waren sowohl vielfältig als auch überraschend. So erinnerte sich ein Mann vor allem an das Attentat auf den Straßburger Weihnachtsmarkt, bei dem er im vergangenen Jahr vor Ort war. Eine Passantin sprach von den Erfahrungen, die sie gesammelt habe, als sie sich zu ihrer Homosexualität bekannt habe, und wie positiv sich ihr Leben in der Folge entwickelt hätte.

In einem weiteren Beitrag lasen zwei Schülerinnen einen Erfahrungsbericht eines Mädchens zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges in der Ich-Perspektive vor. Berichte über Angst um das eigene Leben, Hunger und Leid ließen die Besucher der Gedenkfeier nachdenklich werden.

Gedenkfeier Stauffenberg GSG Lebach: Bericht über Kriegserfahrungen aus der Ich-Perspektive der Erinnerungs-AG. Foto: Daniel Bonenberger
Der Schulchor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Lebach bei seinem Auftritt anlässlich der Gedenkfeier. Foto: Daniel Bonenberger

Im Anschluss versammelten sich die Besucher auf dem Rasen vor der Schule, auf dem zwei von den Schülern selbst entworfenen Stahlskulpturen durch den Landtagspräsidenten Stephan Toscani enthüllt wurden. Die beiden rund 700 Kilogramm schweren Skulpturen zeigen Sophie Scholl und Graf von Stauffenberg.

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