MS Selbsthilfegruppe : Gemeinsam auch durch schwere Tage

MS Selbsthilfegruppe : Gemeinsam auch durch schwere Tage

In Lebach tauschen sich an MS erkrankte Männer und Frauen aus. Aber es geht nicht immer nur um Krankheit. Auch Feste und Ausflüge stehen auf dem Programm der Gruppe.

Gut 30 Mitglieder zählt die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose, die sich jeden letzten Dienstag im Monat in Lebach im Stadftcafé in der Fußgängerzone trifft. Bei unserem Besuch war es eine kleine Gruppe. Doch nicht weniger interessant die Themen und Gespräche. Seit drei Jahren leitet Carina Morscheid die Selbsthilfegruppe (Elfie Gouverneur ist ihre Stellvertreterin). Die 30-Jährige wohnt in Schmelz und ist selbst seit vier Jahren an MS erkrankt. Kurz nach ihrer Diagnose ist sie auf die Gruppe gestoßen. Dort habe sie sich sofort wohl gefühlt, Gleichgesinnte getroffen und sie hatte für all ihre Probleme und Fragen stets einen Ansprechpartner. „Das soll auch so sein“, versichert die Verkäuferin. In der Gruppe soll jeder reden und sich austauschen können, ohne dass darüber gelächelt werde. Eine seit Jahren an MS erkrankte Teilnehmerin klagt, dass oft die Mitmenschen sie einfach nicht verstehen wollen oder können. „Die Leute wissen nicht, dass man nicht immer gleich gut drauf ist. “ An den meisten Tagen bewege sie sich ganz normal, doch dann komme ein Tag, das gehe nichts mehr. Das verstehen viele nicht, so nach dem Motto, „aber gestern warst du noch fit“.

In den monatlichen Treffs wird sich vor allem ausgetauscht. Man unterhält sich über Medikamente, Therapiemöglichkeiten, über Anträge für Schwerbehinderung, über behindertengerechte Infrastruktur. Es wird aber auch gefeiert und weggefahren. Im Mai zum Beispiel geht es nach Koblenz. Mit der Gondel fahren sie dann nach Ehrenbreitstein, machen eine Schifffahrt - haben einen schönen Tag. Und im Herbst geht es nach Luxemburg. Immer wieder werden zu den unterschiedlichsten Anlässen Feste gefeiert. Aber auch Informationsveranstaltungen mit Neurologen oder Ergotherapeuten stehen auf dem Programm. Dank besonderer Fördermittel, die Morscheid beantragt hatte, könnten sie auch ein Sportseminar in Orscholz besuchen. „Da war jede Menge Schreibkram zu erledigen.“

Bei den meisten an MS Erkrankten sind die Symptome gleich. Man sieht nicht mehr gut, die Arme schlafen ein, Entzündungswerte sind zu hoch. Durch Gehirnwasserntersuchungen und MRT werde die Krankheit diagnostiziert. „MS ist eine neurologische Erkrankung“, erklärt Morscheid, „das Immunsystem greift den eigenen Körper an“. Man könne normal leben, allerdings müssen viele oft Medikamente einnehmen. „Die Krankheit hat 1000 Gesichter.“

Edgar aus Heusweiler ist seit seiner Verrentung Betroffenensprecher der DMSG (Deutsche Multiple Skerose Gesellschaft). Er klärt beispielsweise junge Schwestern oder Pfleger über das Krankheitsbild auf, steht den jungen Leuten mit Rat und Tat zur Seite, quasi ein Erfahrungsaustausch.

Die Selbsthilfegruppe besteht seit 1996. Sie zählt über 30 Mitglieder aller Altersstufen. Die Jüngste ist 20. Zwei, drei Stunden dauern die monatlichen Treffs. Die Mitglieder kommen zum größten Teil aus Schmelz und Umgebung und aus dem Raum Heusweiler.

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