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Amateurfunk
Über den Mond nach Japan oder Amerika

 Der Lebacher Daniel Roche funkt aus dem Dachgeschoss seines  Wohnhauses den Mond an, um mit Funkamateuren in der ganzen Welt Kontakt zu halten.
Der Lebacher Daniel Roche funkt aus dem Dachgeschoss seines Wohnhauses den Mond an, um mit Funkamateuren in der ganzen Welt Kontakt zu halten. FOTO: Dieter Lorig
Lebach. Daniel Roche ist einer der ganz wenigen saarländischen Amateurfunker, die den Mond ins Visier nehmen. Von Dieter Lorig

Der Lebacher Pensionär Daniel Roche funkt über den Mond mit Gleichgesinnten in der ganzen Welt. Seit über 45 Jahren beschäftigt sich der 68-Jährige in seiner Freizeit unter Nutzung des Rufzeichens „DJ0KF“ mit dem Hobby Amateurfunk. In den letzten Jahren hat sich Roche spezialisiert auf „Erde-Mond-Erde-Kommunikation“. Hierfür betreibt er im Dachgeschoss seines Wohnhauses eine leistungsstarke Funkstation, die mit mehreren Computern und einer Gruppe von Richt-Antennen in seinem Garten verbunden ist. Eine Software steuert automatisch die optimale Position der Antennen zum Mond.


„Die Abstrahlung des Sende-Signals Richtung Mond erfolgt mit mehreren Hundert Watt in einer digitalen Funkbetriebsart nach vorheriger manueller Eingabe von kurzen Textnachrichten“, sagt Roche. Nur so könne das Signal aus Lebach von der über 380 000 Kilometer entfernten Mondoberfläche wieder zurück zur Erde und zu anderen Funkamateuren rund um den Globus reflektiert werden. „Zum Mond funke ich auf UKW im Frequenzbereich zwischen 144,094 und 144,054 Megahertz“, erläutert Roche. Mit dieser speziellen und sehr aufwendigen Betriebsart, die erstmals 1946 vom US-Militär im analogen Status erprobt wurde, erreicht der Lebacher seine Funkkollegen, beispielsweise in Japan, Australien, Nord- und Südamerika sowie Afrika.

Besonders gerne erinnert sich Roche an Kontakte mit dem Japaner Hiro Kondo im japanischen Fujisawa (7K3LGC) oder Joe Stroud (K9MRI). Letzterer wohnt in Markle im US-Bundesstaat Indiana. „Weltweite Funkkontakte in einer digitalen Betriebsart dauern über den Mond als passiven Reflektor meist nur etwa drei Minuten“, erzählt Roche. Dabei würden lediglich das internationale Funkrufzeichen, eine ungefähre Standort-Info und die Empfangsbestätigung automatisch ausgetauscht. „Um Sprechfunk über den Mond abzuwickeln, bedarf es noch erheblich größerer Antennen, was mir aber zu aufwendig ist“, gesteht Roche.



Der besondere Reiz von Erde-Mond-Erde-Verbindungen, auch kurz „EME“ genannt, liege an der technischen Herausforderung. „Das abgestrahlte Funksignal legt etwa 770 000 Kilometer in 2,5 Sekunden zurück und erlaubt trotz dieser riesigen Entfernung immer noch eine Kommunikation mit Funkfreunden auf der ganzen Welt“, schwärmt Roche. „Im Saarland beschäftigen sich mit der ganz speziellen EME-Funktechnik nur fünf von zirka 1000 Funkamateuren“, bestätigt Eugen Düpre, Landesvorsitzender des Deutschen Amateur-Radio-Clubs.

Für Schlagzeilen sorgte im Januar ein Funkamateur aus Norddeutschland. Er hatte im Auftrag der chinesischen Raumfahrtorganisation mit einer ähnlichen EME-Anlage wie der Lebacher Roche Datenpakete zu einem Mondsatelliten gefunkt. So verhalf der norddeutsche Funker den Chinesen zu spektakulären Fotos von der Rückseite des Erdtrabanten.

Roche, dessen Gattin Gertrud (DC3VQ) ebenfalls eine Sende-Lizenz besitzt, stammt aus der Nähe von Dijon. Das Ehepaar ist Mitglied im Ortsverband Lebach des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Roche ist Nachrichten- und Elektroingenieur und war unter anderem beim französischen Langwellensender „Europe 1“ tätig, bevor er sich mit dem Import- und Export von Satelliten-Anlagen beruflich selbstständig machte. So ist es verständlich, dass Roche auch heute als Rentner nicht nur über den Mond, sondern auch über Amateurfunksatelliten funkt.

 Die leistungsstarken Richt-Antennen im Garten werden permanent automatisch auf die optimale Position zum Mond ausgerichtet.
Die leistungsstarken Richt-Antennen im Garten werden permanent automatisch auf die optimale Position zum Mond ausgerichtet. FOTO: Dieter Lorig