Ein Zeitdokument

Niedersaubach · Bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag wird in Niedersaubach ein Kriegstagebuch vorgestellt. Der Tag istdem Gedenken an die 16 Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet.

 Gefreiter Johann Grohs, 1897-1915.Foto: Archiv Edith Spaniol

Gefreiter Johann Grohs, 1897-1915.Foto: Archiv Edith Spaniol

Foto: Archiv Edith Spaniol
 Kriegstagebuch von Johann Grohs von 1915. Foto: Archiv Arnold Schäfer

Kriegstagebuch von Johann Grohs von 1915. Foto: Archiv Arnold Schäfer

Foto: Archiv Arnold Schäfer

Unter Schirmherrschaft von Minister Stephan Toscani wird Niedersaubach am Volkstrauertag, 16. November, 17 Uhr, in der Antoniuskapelle und später im Antoniusheim (19 Uhr) insbesondere der 16 Gefallenen des Dorfes aus dem 1. Weltkrieg gedenken. Ein Kriegstagebuch von Johann Grohs aus Niedersaubach ist aufgetaucht. Der 17-Jährige starb am 2. Mai 1915 in der 2. Flandernschlacht in Thourout bei Ypern. Ihm ist unter anderem die Gedenkveranstaltung gewidmet.

Priester wollte er werden, wie sein Bruder Nikolaus Grohs, der später viele Jahre in Losheim als Pfarrer wirkte. Johann Grohs besuchte das Gymnasium in St. Wendel und meldete sich wie fast alle seine Mitschüler freiwillig in großer Euphorie in eine Maschinengewehrabteilung in Metz, und zwar zum Reserveinfanterieregiment 213, Maschinengewehrzug 35.

Sein Kriegstagebuch (Archiv: Arnold Schäfer), das sein Bruder Nikolaus 1915 nach seinem "Heldentod" zur "ewigen Erinnerung" erstellt hatte, ist in Sütterlin geschrieben (70 Seiten). Walter Nimmesgern hat es transkribiert. Es vermittelt auf bewegende Weise die Eindrücke eines kriegsbegeisterten Jugendlichen, der die Schrecken des Stellungskrieges in Flandern erleben und fürchten musste. Im ersten Kriegswinter bei eisiger Kälte und durchdringender Nässe in den Schützengräben an der Westfront machte sich auch bei ihm sehr schnell Ernüchterung breit. Schließlich hatte er wie so viele ganz fest gehofft, Weihnachten 1914 siegreich wieder daheim in Niedersaubach bei den Eltern und Geschwistern zu sein.

Am 22. April 1915 wurde Johann Grohs durch eine Granate schwer verletzt. Bald musste ein Bein amputiert werden, weil sich Wundfieber breitmachte. Die größte Sorge, die ihn in seinen letzten Tagen im Feld-Lazarett in Thorout umtrieb, war, ob er ohne Beine Priester werden könne.

Die Oberschule in Thourout hatte sich bereits 2012 mit dem Jungen aus Niedersaubach beschäftigt, weil er viele Jahre auf dem Schulhof beerdigt lag.

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