Ein Weihnachtsfest der Generationen

Adventsserie : Ein Weihnachtsfest der Generationen

Familienoberhaupt Hilde Altmeyer hat zum Fest alle ihre Schäfchen beisammen. Vier Generationen feiern gemeinsam.

Mit gleich vier Generationen kann das Familienoberhaupt Iris Altmeyer (94) aus Lebach das Weihnachtsfest verbringen. Aus ganz Deutschland kommen Jahr für Jahr bis zu 15 Personen zusammen, um gemeinsam die besinnliche Zeit zu feiern.

Altmeyer blickt auf ein langes und glückliches Leben zurück und ist voller Vorfreude auf ihr 94. Weihnachtsfest: „Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen bedeutet mir alles, die schönsten Weihnachten hab ich aber in meiner Kindheit erlebt“, erinnert sich die Mitgründerin der Volkshochschule Lebach. Da die Familie sehr klein war, konnten sie die gemeinsame Zeit viel intensiver genießen und hatten auch nie Hunger zu leiden, erinnert sich die 94-Jährige gerne an ihre Kindheit zurück.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die Heiligabende, an denen der Vater früher von der Arbeit gekommen ist und mit seinen beiden Töchtern einen ausführlichen Spaziergang gemacht hat, damit die Mutter zu Hause heimlich, still und leise den Baum herrichten, die Geschenke verpacken und das Essen zubereiten konnte: „Ich war immer ganz zappelig beim Spaziergang und konnte das Christkind nicht erwarten, das hat meinen Vater aber nicht aus der Ruhe gebracht“, lacht Altmeyer. Er hat den Spaziergang immer lange genug hinausgezögert und den Kindern kleine Erklärungen zur Natur und den Tieren gegeben: „Als wir dann endlich wieder zu Hause waren mussten wir auch zuerst noch essen, obwohl wir endlich zum Christkind wollten – wir waren so zappelig und aufgeregt, es war schwer auszuhalten.“

Besonders war das Weihnachtsfest für die noch sehr agile Rentnerin auch deshalb, weil sie endlich mal die gute Stube benutzen durften, die ansonsten tabu war. Auch das feine Kleidchen und die guten Schuhe durften nicht fehlen: „Die Schuhe mussten wir allerdings vor der guten Stube stehen lassen.“ Das war immer ein magischer Moment, wenn das Glöckchen geklingelt hat und die Wohnzimmertür aufgesperrt wurde, sagt Altmeyer.

Eine Tradition der Familie war auch die alljährliche Singstunde, bei der sich vor dem Fenster sogar Anwohner versammelten und den Klängen lauschten: „Meine Eltern spielten beide Zither und waren fantastische Sänger, da die Leute sowas nicht kannten, blieben sie vor dem Fenster stehen und hörten zu.“ Die Vorfreude auf das Fest begann bei Altmeyer immer schon beim Entzünden der ersten Kerze des Adventskranzes, danach stieg die Vorfreude Tag für Tag an: „Die  schönsten Weihnachtserinnerungen stammen aus meiner Kindheit, für Kinder ist das einfach ein intensiveres Gefühl.“

Aber auch heutzutage möchte sie kein Weihnachtsfest verpassen, mit ihren drei Enkeln und drei Urenkeln, die zum Fest alle zusammenkommen, bleibt Weihnachten für Altmeyer die schönste Zeit des Jahres: „Sie sind über ganz Deutschland verstreut, zum Fest kommen sie aber aus Hamburg und Berlin alle zurück ins Saarland“, strahlt sie über beide Ohren: „Geplant wird das Fest bereits Wochen im Voraus über eine Tablet-Videokonferenz. – so bin ich auch über weite Entfernungen meinen Liebsten immer ganz nah, es ist toll, dass es sowas gibt“, schwärmt die technikaffine Rentnerin. Bei einem schönen Festessen bringt sich die Großfamilie dann auf den neuesten Stand, es wird gesungen und gelacht.

Altmeyer ist froh, dass der Familienzusammenhalt so intensiv ist und dass sie selbst im fast biblischen Alter von ihren Verwandten noch für „voll“ genommen wird, wie sie es ausdrückt. Durchgesetzt hat sie beim Weihnachtsfest auch eine weniger materialistische Einstellung, so schenkt sich die Familie meist selbstgemachte Kleinigkeiten oder etwas, das im Haushalt schon vorhanden ist und derjenige nicht mehr benötigt: „Natürlich muss man sich schon überlegen, ob der andere es dafür gebrauchen kann“, scherzt sie.

Den Enkeln und Urenkeln hat sie auch häufig Spielzeug ihrer eigenen Kinder geschenkt, mit dem sie gerne bei Besuchen gespielt haben.

Auch bei der Zubereitung des Essens geht es immer sehr familiär zu, so bringt jeder der Besucher etwas anders und hilft mit: „Gekocht wird zwar immer da, wo gefeiert wird, aber meistens bringen die Hamburger etwas mit Fisch mit und von der französischen Grenze kommt etwas für Frankreich spezifisches – man weiß immer genau, wer was mitgebracht hat“, lacht Altmeyer.

Heute öffnet sich das 13. Adventstürchen. Foto: Daniel Bonenberger

Über die Feiertage wird ihr Haus dann zum Hotel, denn die Hälfte der Familie beherbergt sie in Lebach: „Ein Hotel kommt gar nicht infrage, ich will so viel Zeit mit ihnen verbringen, wie ich kann.“