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Ein Jahr Aufschub für die Integrationsgruppe

Ein Jahr Aufschub für die Integrationsgruppe

Kinder mit hochgradiger Schwerhörigkeit bekommen im Kindergarten Steinbach eine spezielle Förderung. Nun wird die Integrationsgruppe im kommenden Jahr aufgelöst. Eine Entscheidung, die Sorge bereitet.

Neuforweiler/Steinbach. Dennis, fünf, leidet an einer hochgradigen Schwerhörigkeit, zudem an einer Sprach- und Entwicklungsstörung. "Jeder Aspekt für sich bedarf schon einer besonderen Behandlung", erklärt seine Mutter Yvonne Böttcher aus Neuforweiler. Seit Oktober 2009 besucht Dennis die Integrationsgruppe im Steinbacher Kindergarten. Wie die Eltern meinen, die beste Entscheidung für ihr Kind. Eigentlich sollte Dennis das letzte Kindergartenjahr in einer Regeleinrichtung in Lebach untergebracht werden, gemeinsam mit Paul (wir berichteten). Das Bildungsministerium wollte die Integrationsgruppe quasi über Nacht schließen. Nun, nach Gesprächen mit Minister Ulrich Commerçon, dürfen sie bis zur Einschulung im nächsten Jahr bleiben.

Derzeit arbeitet die Landesregierung am Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Inklusion, im Sinne der Konvention, bedeutet dabei, alle Kinder unabhängig von Beeinträchtigungen und der Art ihrer Behinderungen einen Kindergarten wohnortnah besuchen zu lassen. "Die Einrichtung in Steinbach ist keine Regeleinrichtung. Hier werden Kinder mit Hörsprachbehinderung in eine gesonderte Einrichtung außerhalb der gewohnten Umgebung gebracht, um sonderpädagogische Förderung zu erhalten", begründet das Bildungsministerium die Entscheidung, die Integrationsgruppe im kommenden Jahr aufzulösen. Der Aktionsplan stellt jedoch Eltern die Wahlfreiheit in Aussicht.

Dennis wird jeden Morgen gemeinsam mit anderen Kindern der Integrationsgruppe nach Steinbach gefahren. Fahrzeit: knapp eine Stunde pro Fahrt. "Das nehmen wir gerne in Kauf", erklärt Yvonne Böttcher. Der Junge kommt nachmittags gegen 16 Uhr heim, "trotzdem ist er sehr entspannt". Für die Eltern war es wichtig, dass Dennis in Steinbach gefördert wird. In einer Regeleinrichtung, wie sie es zunächst versucht hatten, habe der Junge nicht die angemessene Förderung bekommen. Steinbach habe eine "Rundumversorgung mit modernsten Methoden" gewährleistet. In Zusammenarbeit mit der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach (Staatliche Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige) bekommt Dennis zwei Mal wöchentlich Logopädie und Musiktherapie. Die Integration in einer kleinen Gruppe von zwölf Kindern funktioniere hervorragend. "Dennis ist richtig aufgeblüht", sagt seine Mama. Auch andere Eltern berichten über die positive Entwicklung ihrer Kinder, unter anderem die Eltern von Paul.

Dass Dennis und Paul nun bis ins kommende Jahr in Steinbach bleiben dürfen, nimmt den Eltern zunächst die Sorgen. "Aber was ist, wenn Dennis nächstes Jahr noch nicht soweit ist, eingeschult zu werden?", fragt Böttcher. Klaus Reichert von der Stadt Lebach, die Träger der Kindertagesstätte in Steinbach ist, bedauert die Entscheidung des Ministeriums. Zwar sei man zunächst froh darüber, dass Dennis und Paul noch bleiben dürfen. "Schließlich ist das ein entscheidendes Jahr bis zur Einschulung", sagt Reichert. Es sei aber schade, dass man die Integrationsgruppe nicht als Übergangslösung belässt, bis die Landesregierung ihr Ziel, wohnortnahe Angebote zu schaffen, umgesetzt hat.