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Seminaristen
Ehemaligentreffen am Seminar

Sie drehten vor 54 Jahren den Schlüssel rum: Die letzten Seminaristen verließen das Lebacher Lehrerseminar, das geschlossen wurde.
Sie drehten vor 54 Jahren den Schlüssel rum: Die letzten Seminaristen verließen das Lebacher Lehrerseminar, das geschlossen wurde. FOTO: Hoffmann
Lebach. Das Lebacher Lehrerseminar hat eine lange Tradition. Vor 54 Jahren wurde hier die Ausbildung beendet. Ein Besuch von Ehemaligen. Von Monika Kühn

Mit Anfang 20 standen sie schon vor der Klasse. Den Führerschein hatten sie meist auch, waren aber noch nicht volljährig. Die letzten Seminaristen schlossen 1964 in Lebach die Tür hinter sich zu. Sie sind mittlerweile um die 75 und waren vor 54 Jahren letztmalig in diesen für sie „heiligen Stätten“. Im jetzigen Bistro auf dem Schulcampus trafen sie sich in froher Runde. Von den 22 Schülern der damaligen Klasse waren 15 gekommen.


Die „pädagogischen Dinos“, wie sie Robert Groß aus Winterbach nennt, haben Landesgeschichte geschrieben. Aufgrund großen Lehrermangels waren sie und viele vor ihnen in drei Jahren zum Lehrer ausgebildet worden.

„Wir hatten eine gute und solide Ausbildung.“ Horst Kraus aus Frankenholz ist seiner Heimat treu geblieben. Bis zur Pensionierung war er in Oberwürzbach tätig. Seine Mutter musste damals für sein Auto unterschreiben, da er noch nicht volljährig war. Er war ein Jahr lang als „Feuerwehr“ eingesetzt, da brauchte er ein Auto.



In Ottweiler gab es ebenfalls ein Lehrerseminar, das aber in evangelischer Trägerschaft war. „Die haben wir beneidet, denn dort waren auch Mädchen“, gesteht Groß. „Unsere Mädchen waren in Blieskastel, also weit weg.“ Dennoch haben sie die Zeit gut überstanden. Die Hälfte der damaligen Seminaristen lebte im Internat. Am Wochenende ging’s dann heim. Oft per Auto-Stopp. Samstags gab es immer Erbsen- oder Linsensuppe mit Wurst. Da sich dann schon einige auf den Nachhauseweg gemacht hatten, konnten sich die restlichen an der Wurst satt essen. Fürs Essen waren Nonnen zuständig. Nach der Schule wurde erst gegessen. Studierzeit war von 16.30 bis 18.30 Uhr. Nach dem Abendessen war kurz frei und dann hieß es wieder lernen bis 21.30 Uhr. Bettruhe war um 22 Uhr. Ein strukturierter Tag.

Werner Schmidt aus Niedersaubach denkt immer noch an das schlimme Heimweh, das ihn damals überfiel. Die ersten 14 Tage durfte der spätere Internatsleiter nicht nach Hause. „Wir waren eine gute Jungengemeinschaft“, merkt Heinz Günnewig an. Der Neunkircher war Lehrer an der Bachtalschule. Er ist noch nicht ganz in Pension. Er lehrt an der Uni Luxemburg Literaturwissenschaften.

Wenn’s Katzengulasch gab, das war ein Festessen. An die so genannten Schuhsohlen denken alle mit Widerwillen zurück. Auch habe es oft Möhren mit Erbsen gegeben. Die konnte Kraus später jahrelang nicht mehr essen.

Einmal hätten sie überlegt, ob sie Kaffee oder Kakao zum Abendessen zu trinken bekamen. Doch Zilla, so hieß die Küchenfrau, klärte sie schnell auf, als sie fragte, ob noch jemand Tee möchte. Auch der Ziehkaffee ist allen noch gut in Erinnerung. „Da wurden die Bohnen durch den Kaffee gezogen.“

Hildegard Bayer, eine ehemalige Lehrerin, und Elmar Schützeck vom Heimatverein Unser Niedersaubach, führten die ehemaligen Seminaristen durch das Schulgelände und auch zur ehemaligen Übungsschule. Dort ist jetzt der Kindergarten untergebracht.