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65 Jahre Brieffreundschaft: Diese Brieffreundschaft hält seit 65 Jahren

65 Jahre Brieffreundschaft : Diese Brieffreundschaft hält seit 65 Jahren

Alfons Augustin und die Engländerin Sheila Humby schreiben sich seit ihrer Schulzeit - jeder in seiner Sprache.

Seit 65 Jahren unterhält Alfons Augustin eine Brieffreundschaft mit Sheila Humby, einer ehemaligen Gymnasiastin und späteren Grundschullehrerin aus Southampton.

Zu ihrem 80. Geburtstag schenkte ihr der Lebacher eine Reise nach Berlin und Dresden. Sheila Humby war nicht das erste Mal hier im Saarland. Sie besuchte in all den Jahren regelmäßig Familie Augustin. Liebevoll wird sie von allen auch Tante Sheila genannt.

Begonnen hat alles 1952, als Alfons Augustin, Ali Wagner, Toni Heinrich und Hans-Jakob Maas nach der Mittleren Reife auf ein Gymnasium in Völklingen wechselten. Ihr Englischlehrer meinte, sie alle müssten vor dem Abitur ihre Sprachkenntnisse verbessern. Jeder der Schüler bekam von ihm die Adresse einer jungen Engländerin mit der Aufforderung, fleißig Briefe zu schreiben.

„Die ersten Briefe waren schon ein bisschen holprig“, gesteht der heute 85-Jährige. „Ich habe mich vorgestellt und erzählt, was ich mit einfachen Worten ausdrücken konnte.“ Nach kurzer Zeit haben die beiden jungen Leute beschlossen, dass jeder in seiner Muttersprache schreibe. Das sei zwar bestimmt nicht im Sinne des Englischlehrers gewesen, aber er wusste nichts davon. In den Pausen haben er und seine Klassenkameraden sich dann auch immer über die Briefe unterhalten und gefragt „was hat deine Lady denn geschrieben?“.

Nach dem Abitur (1953) durften Augustin und vier Mitschüler einen Sprachkurs in Paris absolvieren. Das Saarland war damals noch französisch.

Eine paar Tage vor der Abreise erfuhren sie, dass auch die englische Brieffreundinnen mit ihrer Klasse nach Paris kommen werden.

Man wollte sich treffen. Aber das sei nicht so einfach gewesen. Deren Klassenlehrerin habe ein längeres Treffen nicht geduldet. Sie durften sich nur nach dem Abendessen für knappe zwei Stunden treffen. Um 21 Uhr mussten sie ihre Begleitungen wieder nach Hause bringen.

Auch nach dem Studium und der Heirat, die Brieffreundschaft hielt über all die Jahre. „Meine Frau war die treibende Kraft, Sheila nach Lebach einzuladen.“ Die beiden waren jung verheiratet und hatten eine Neubauwohnung bezogen. Sie wohnten im zweiten Stock, die Treppe wurde ausgerechnet am Besuchstag fertiggestellt. „Wir mussten über eine Leiter über den Balkon in unserer Wohnung. Doch das hat Sheila nichts ausgemacht.“

In all den Jahren stattete die Engländerin immer wieder Familie Augustin Besuche ab. Auch fuhr sie mit ihnen in Urlaub. „Wir und unsere Kinder bekommen heute noch jedes Jahr zu Weihnachten ein Päckchen von Tante Sheila“, erklärt Sohn Ludwig. Aber erst am zweiten Weihnachtstag wird es aufgemacht. Die Verständigung klappt immer gut, meint Augustin. Jeder redet einfach in seiner Sprache. Sarah, die Tochter einer Freundin und Kollegin von Sheila, war ebenfalls als Austauschschülerin eine Zeitlang in Lebach zu Besuch. Auch bei den Freunden von Familie Augustin wurde Sheila herzlich aufgenommen.

Selbst war Augustin drei Mal in Southampton. Das letzte Mal zusammen mit Sohn Ludwig und dessen Frau. Eine Woche lang waren sie dort, haben Land und Leute kennen gelernt und vor allem die gute Küche von Sheila genossen.

 Beim Abflug auf dem Flughafen in Luxemburg: Alte Brieffreunde Sheila Humby und Alfons Augustin.
Beim Abflug auf dem Flughafen in Luxemburg: Alte Brieffreunde Sheila Humby und Alfons Augustin. Foto: Augustin

Alfons Augustin und Sheila Humby teilen sich ein Hobby. Beide lieben Blumen und die Gartenarbeit. Fotos von dem kleinen Reihenhaus in Southampton beweisen dies und Augustin kann sich ebenfalls an einem schönen Garten erfreuen.