„Der Dreck ist eine Katastrophe“

„Der Dreck ist eine Katastrophe“

Für die Vermüllung des Lebacher Bahnhofs sind nicht die Flüchtlinge verantwortlich. Viele Bürger haben beobachtet, dass es meist Jugendliche sind, die ihren Abfall auf die Gleise werfen. So das Ergebnis einer SZ-Umfrage.

Ingrid Paul.
Michael Schwinn.
HelmutHarig.
Rebecca Pelster.
HeidiFerlinz.
Hans-Georg Simon.
Flaschen, Plastiktüten: Entlang der Gleise am Lebacher Bahnhof liegt Müll. Fotos: Axel Künkeler.

Im Vergleich zu Saarlouis, Dillingen und Bous wurde in Lebach der Bahnhof erst vor wenigen Jahren wieder reaktiviert. Seit Oktober 2014 verkehren dort die Züge der Saarbahn. An den offenen Bahnsteigen halten zudem die regionalen Buslinien. Die Anlage sieht entsprechend modern aus. Müll liegt trotzdem rum, vor allem zwischen den Gleisen. Für das Problem sind die Flüchtlinge nicht verantwortlich, sagen fast alle Befragten einer SZ-Umfrage zur Sauberkeit an Bahnhöfen. Die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge befindet sich hier in Lebach. Flüchtlinge und Migranten prägen daher das Bild am Bahnhof. Angesprochen auf den Müll zwischen den Gleisen sagt Helmut Harig klipp und klar: "Die Flüchtlinge haben damit nichts zu tun." Der Lebacher wohnt ganz in der Nähe und weiß, "das war schon immer so." Es gibt zu wenig Müllbehälter, so lautet seine Kritik.

Hans-Georg Simon (Limbach) hat beobachtet, dass oft nur ein, zwei Müllbehälter von den Reinigungskräften geleert werden, während die anderen einfach voll bleiben. Er fährt öfter mit dem Bus nach Limbach, sieht die Verantwortung für den Müll vor allem bei den Jugendlichen. Besonders am Spätnachmittag ("ab 16 Uhr ganz extrem") seien dort viele Jugendliche mit Bier-Kisten und lautstarker Musik. Der Dreck auf den Gleisen sei "eine Katastrophe".

Auch Raimund Groß aus Lebach sieht vor allem die Jugend als Verursacher, "weniger die Ausländer". Es sei aber wohl nicht zu ändern bei so vielen Jugendlichen. Die Schüler könnten doch direkt an den Schulen mit den Bussen abgeholt werden, regt er an. "Aber wir waren in unserer Jugend auch nicht besser", zeigt sich der Lebacher tolerant.

Heidi Ferlinz (Lebach) findet die Sauberkeit am Bahnhof sogar "ganz in Ordnung". Ihr sei nichts aufgefallen, sagt die Frau, die nur selten mit Bus und Bahn fährt. Und Maria Beith, ebenfalls aus Lebach, meint, es lägen nicht mehr so viele Kippen rum, es sei früher schlimmer gewesen. "Heute ist es relativ sauber", bestätigt auch Ingrid Paul. Es sei wohl gerade gereinigt worden, vermutet die Frau, die täglich mit Job-Ticket nach Saarbrücken zur Arbeit fährt. Aber noch am Tag zuvor wollte sie den Dreck selbst fotografieren, um die Zustände am Lebacher Bahnhof auf Facebook zu posten.

Wie sie hat auch Rebecca Pelster (Schmelz) festgestellt, dass Tüten, Glasscherben und Kippen ("trotz Rauchverbot") überall rumliegen. Die Abfallbehälter seien oft kaputt, sagt sie. Eine weitere Ursache sieht sie aber auch in der Zunahme des Zug-Verkehrs durch die Saarbahn. "Mehr Fahrgäste, mehr Abfall", lautet ihre Erklärung.

"Ich kenne es nicht anders", sagt dagegen Michael Schwinn aus Lebach. Trotz vorhandener Müllkörbe werde einfach alles weggeworfen. Der Dreck habe zugenommen, das habe "schon auch mit den Flüchtlingen zu tun", meint er. Obwohl er ebenfalls die Jugendlichen als hauptsächliche Verursacher sieht. Vor allem am Wochenende und zu Ferienbeginn sei der Bahnhof ein Treffpunkt für Jugendliche. Dann lägen neben dem Müll noch Bierflaschen und Scherben rum.

"Es sind die Jugendlichen, weniger die Ausländer", sagt nicht nur Gerlinde Losekamm aus Niedersaubach. Es ist das einhellige Urteil aller Befragten bei der SZ-Umfrage.

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