baddis : Der Baddis schließt nach 115 Jahren

baddis : Der Baddis schließt nach 115 Jahren

Das traditionsreiche Lebensmittelgeschäft Engel in Landsweiler kann mit den Preisen der Discounter nicht mehr mithalten. Am Samstag will sich Konrad Engel mit einem Umtrunk von seinen Kunden verabschieden.

„Baddis, wenn ich im Lotto gewinne, kaufe ich Deinen Laden.“ Das meinte vor vielen Jahren Pascal Thome, der mit seiner Mutter zum Einkaufen kam. Dazu wird es nicht mehr kommen. Der Baddis schließt zum 28. Oktober. 115 Jahre gab es das Lebensmittelgeschäft Engel in Landsweiler. In dritter Generation führte Konrad Engel das Geschäft – nach seinem Vater Franz und dem Großvater Matthias Baptist. Vom Großvater kam auch der Name Baddis, der sich mehr als 100 Jahre gehalten hat.

Erlernt hat Konrad Engel seinen Beruf als Einzelhandelskaufmann bei der Firma Hoffmann in Walpershofen. Nach der Ausbildung blieb er dort noch zwei Jahre, bevor er in den elterlichen Betrieb wechselte. Am 1. Januar 1988 übernahm er die Geschäftsführung.

Der Baddis, das ist oder war mehr als Nahversorgung. Engel brachte Lebensmittel und Getränke zu den Leuten nach Hause, hatte jemand viel eingekauft, brachte er den Kunden selbstverständlich heim. Service wurde beim Baddis groß geschrieben. Auch traf sich jeden Dienstag eine Gruppe morgens zum Frühstück. Das wird fehlen.

Fehlen werden den Menschen auch die Gespräche und die zwischenmenschlichen Kontakte, die solch ein kleiner Laden bietet. Ein Vorteil war auch: Es konnte in kleinen Mengen eingekauft werden – wie beispielsweise zwei Scheiben Wurst von der einen Sorte und zwei von der anderen. Sonderwünsche wurden selbstverständlich auch immer alle erfüllt. Mit zwei Angestellten und zwei Aushilfskräften hielt Konrad Engel das Geschäft am Laufen. Die Einkäufe morgens ganz früh auf dem Großmarkt in Saarbrücken übernahm er stets selbst.

Bekannt ist der Baddis auch für seinen Käsekuchen und seinen Partyservice. Aber auch die Grünkernfrikadellen, die seine Frau Jeanette zubereitet, fanden guten Absatz. Doch in Zeiten des knallharten Preisvergleiches wurde es für Engel immer schwieriger, mit den Discountern zu konkurrieren. „Für mich als Kleinbetrieb ist es unmöglich mitzuhalten“, erklärte der 54-Jährige. Er will jetzt nur noch Partyservice anbieten.

Begonnen hat alles im Jahr 1902. Matthias Baptist Engel eröffnet damals in Landsweiler sein Kolonialwarengeschäft. In dem Laden wurde alles feilgeboten, was in irgendeiner Weise zur Versorgung der Dorfbewohner notwendig war. Neben Lebensmitteln hatte der Baddis auch Medikamente, er stellte Kräutermischungen her für kleine und große Befindlichkeiten, hatte Brillen im Angebot, Spezialfutter fürs Vieh, alles für den Haushalt und den Handwerker. Schrauben und Nägel gab es damals noch einzeln zu kaufen. Diesem Prinzip ist Sohn Franz, der zusammen mit seiner Frau Marianne ab 1947 das Geschäft führte, treu geblieben. Das Ehepaar erweiterte das Angebot noch um Textilien.

Von vielen Dingen hat sich Konrad Engel im Laufe der Jahre verabschiedet. Er legte seinen Schwerpunkt auf frisches Obst und Gemüse sowie Fleisch- und Wurstwaren. Natürlich hielt er auch das übliche Sortiment vor. Auch die Tippscheine konnten beim Baddis abgegeben werden, der Pfarrbrief konnte erworben werden, gelbe Säcke gab es und Pakete konnten abgegeben werden. Das ist nun alles Vergangenheit. Was mit den Räumen in Zukunft geschieht, weiß Engel noch nicht.

Am Samstag, 28. Oktober, verabschiedet sich der Baddis mit einem Umtrunk von seinen Kunden.

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