| 20:45 Uhr

Pferderennen
„Das wäre wie München ohne Oktoberfest“

Knapp die Nase vorne: Nina Wagner gewann auf San Diego das Hauptrennen vor Pissarro aus dem bei Heidelberg beheimateten Stall von Horst Rudolph.
Knapp die Nase vorne: Nina Wagner gewann auf San Diego das Hauptrennen vor Pissarro aus dem bei Heidelberg beheimateten Stall von Horst Rudolph. FOTO: Thomas Seeber
 Lebach. Lebacher Pferderennen locken wieder 10 000 Menschen an. Nina Wagner sichert sich das „Grüne Band der Saar“. Von Tina Leistenschneider

Sonntag, kurz nach 16 Uhr. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die auf der Rennstrecke „La Motte“ beim Pferderennen in Lebach zu spüren ist. Neugierig reihen sich Dutzende Zuschauer an die Absperrung und versuchen die beste Sicht auf die Rennstrecke zu erhaschen. Welches Pferd wird an diesem Tag das grüne Band mit nach Hause nehmen?


Das Signal zum Start ertönt – und die Rennpferde stürmen aus den Boxen. Innerhalb weniger Sekunden beschleunigen die Tiere auf mehr als 50 Kilometer pro Stunde und donnern mit brachialer Stärke und Geschwindigkeit an den Zuschauerrängen vorbei.

Die Erde erzittert ob des trampelnden Galopps der Pferde und ihrer Jockeys, die gebeugt in den Steigbügeln stehen und ihre Tiere zu Höchstleistungen antreiben. Mit dabei beim 66. „Grünen Band der Saar“ ist auch die Gewinnerin von letztem Jahr, Selina Ehl aus Altforweiler mit ihrem Wallach „Noble Fighter“.



Schon nach dem Start fällt Ehl jedoch nach hinten zurück, rückt wieder vor bis ins Mittelfeld, ehe sie in der letzten Runde des 2300-Meter-Rennens zum Sprint ansetzt. Ihre Kräfte gesammelt hatte allerdings auch Nina Wagner aus Saarbrücken auf dem Wallach „San Diego“. Denn in der letzten Kurve gab sie dem Pferd noch einmal kräftig die Sporen – und sicherte sich so um Nasenspitze den Sieg und den mit 3600 Euro dotierten Preis des Hauptrennens. Noble Fighter war abgeschlagen.

„Ein Highlight“, schwärmt die Siegerin nach dem Rennen zufrieden. „Es ist schwer, gegen den Favoriten anzutreten, aber ich habe an San Diego geglaubt“, sagt Nina Wagner. Ihre Taktik zum Sieg: „Seine Kräfte in der ersten Runde einteilen und ihn sich dann nach vorne beißen lassen.“

Für sie war es das erste Rennen auf San Diego aus dem Rennstall von Sven Schleppi aus Niederbexbach, dem der vier Jahre alte Wallach gehört. Fast 40 Pferde aus ganz Deutschland nahmen am Sonntag an den insgesamt acht Rennen in Lebach teil, darunter drei Trab- und fünf Galopprennen.

Bei der Traditionsveranstaltung im Rahmen der Grünen Woche fieberten Jung und Alt ihrem Sieg beim Wetteinsatz entgegen – und mehr als 10 000 Besucher feuern Pferde und Jockeys an. Die hohe Besucherzahl versteht Bürgermeister Klauspeter Brill als Bestätigung für den Erhalt des Pferderennens, dessen Existenz zuvor auf der Kippe stand. Trotz des hohen Aufwands und eines Defizits von rund 100 000 Euro beschloss der Lebacher Stadtrat die Fortführung für dieses Jahr und – so hofft Brill – auch auf die Fortsetzung im nächsten Jahr. Auch für den Schirmherren des Pferderennens, Ministerpräsident Tobias Hans, sprechen die Besucherzahlen Bände: „Das Lebacher Pferderennen gehört zum Rennsport dazu und die große Begeisterung der Besucher zeigt: Die Menschen wollen das Rennen“, sagt er. Daher suche die Stadt derzeit Möglichkeiten zur Attraktivitätssteigerung und nach weiteren Sponsoren, wie Brill erzählt.

Ein Wegfall der fast 100 Jahre alten Veranstaltung würde sicher nicht nur Kyriaki-Christine Herrmann bedauern. „Die Grüne Woche ohne das grüne Band und das Pferderennen ist undenkbar“, sagt die Lebacherin. „Das wäre ja wie München ohne Oktoberfest.“