| 20:16 Uhr

Lebacher Pferderennen, Teil 2
Auf der Jagd nach dem grünen Band

Die Zuschauer verfolgen 1982 von der Tribüne aus das spannende Trabrennen.
Die Zuschauer verfolgen 1982 von der Tribüne aus das spannende Trabrennen. FOTO: Archiv Egon Gross
Lebach. Pferderennen haben in Lebach eine lange Tradition. In einer Serie arbeiten wir die Geschichte auf. Heute Teil 2, die Nachkriegszeit.

Die Wiederaufnahme der Pferderennen nach dem Zweiten Weltkrieg in Lebach war zunächst mit einigen Problemen wegen der Besetzung des neuen Vorstandes des Verkehrsvereines verbunden. Erst als dieser neu zusammengesetzt war, gab die französische Besatzungsmacht grünes Licht. Am 5. September 1948 war es soweit. Mehr als 10 000 Besucher sahen acht Rennen der verschiedenen Art.


Im darauf folgenden Jahr wurde die landesweite Bedeutung des Rennens noch aufgewertet. 1949 kamen der Hohe Kommissar Grandval, Ministerpräsident Johannes Hoffmann und Wirtschaftsminister Singer als hochrangige Gäste. Natürlich war auch hier politische Demonstration angesagt, kein Wunder, sahen doch etwa 20 000 Besucher, zum Teil in einem Sonderzug angereist, acht spannende Rennen.

In der Folge sollten dann bis heute noch 69 Rennveranstaltungen bis 2017 folgen. 1953 wurde zum ersten Mal das „Grüne Band der Saar“ ausgeritten, mit 300 000 Franken ausgeschrieben das höchstdotierte Rennen des Saarlandes. Es war lange Jahre das renommierteste Rennen an der Saar und darüber hinaus im südwestdeutschen Raum und hat heute noch einen prestigeträchtigen Ruf. Im vergangenen Jahr wurde das 65. Grüne Band ausgetragen. Seit 1955 wurde der Rennplatz auf das Gelände des Hofgutes La Motte verlegt. Nicht zu vergessen sei die Nutzung des Platzes als Sportflugplatz seit 1956.



Die zurückliegende Zeit nach dem Krieg, in der das Rennen nur einmal ausgefallen ist, hat gute Zeiten, aber auch problematische Situationen erlebt. Hier nur einige Schlagwörter: Jagdrennen über den Hasenberg, Stürze, verunglückte Pferde, Matsch, herrliches Herbstwetter, Landestierschau, erfolgreiche Lebacher Jockeys und Stallbesitzer, erinnert sei an Kirsten Schmidt und Peter Rosport, illustre Gäste aus Politik und Wirtschaft, spannender Totalisator, fachkundiges Publikum, aber auch Besucher, die kamen, um gesehen zu werden, tolle Hutkreationen, wobei heutzutage dekorative Hüte von der Damenwelt nur noch selten getragen werden.

Verbunden sind die Nachkriegsrennen mit tatkräftigen Männern wie Josef Scherer, Gast- und Landwirt zu Lebach, Josef Johann, Hauptamtsleiter in der Gemeindeverwaltung und zuständiger Ressortleiter im Verkehrsverein, Dr. Hans Rech, seit 1987 Eugen Eisenbarth, Ali Kirsch und Manfred Naumann sowie Hans-Gerd Löw, der heute noch die Rennen technisch organisiert.

Im Jahre 1958 wurde die „Grüne Woche“ geboren. Die ersten Jahre waren vornehmlich mit landwirtschaftlich orientierten Rahmenveranstaltungen gestaltet. Schon damals war die Finanzierung der Rennveranstaltung schwierig. Aber es ist immer wieder gelungen mit vereinten Kräften und viel Engagement, auch seitens der Gemeinde, die Probleme zu lösen.

Vieles hat sich bis heute geändert. Die Grüne Woche hat gemäß dem Zeitgeist ein anderes Gesicht erhalten. Das Pferderennen, das einen hohen Imagegewinn für die Stadt Lebach bedeutet, ist noch die einzige „grüne Komponente“ in der Grünen Woche. Die Ansprüche an Bahn und Ausstattung sind gewachsen, die Konkurrenz ist größer geworden (Güdingen), andere Eventformen werden bevorzugt. Trotzdem wollen immer noch im Schnitt 3000 bis 4000 Besucher die weit über die Grenzen der Stadt bekannten Rennen verfolgen.

Spannende Hürdenjagdrennen wurden 1982 beim Lebacher Pferderennen auf der Rennwiese La Motte geboten.
Spannende Hürdenjagdrennen wurden 1982 beim Lebacher Pferderennen auf der Rennwiese La Motte geboten. FOTO: Archiv Egon Gross
Fotograf Wolfgang Thiry hielt 1987 den Zieleinlauf beim Galopprennen bei La Motte fest.
Fotograf Wolfgang Thiry hielt 1987 den Zieleinlauf beim Galopprennen bei La Motte fest. FOTO: Archiv Egon Gross