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Zangerle : Abschied vom guten Geist der Rentenversicherten

Zangerle : Abschied vom guten Geist der Rentenversicherten

Seit 17 Jahren ist Agnes Zangerle aus Lebach ehrenamtlich als Versicherungsälteste tätig. Nun geht sie in den Ruhestand.

(aki) „Ach, Frau Zangerle, zu Ihnen muss ich noch kommen.“ Dieser Satz fällt sehr oft, wenn Agnes Zangerle in Lebach und Umgebung unterwegs ist. Sehr viele Menschen kennen sie. Ist sie doch seit 17 Jahren als Versicherungsälteste tätig. Ende Oklober will die 72-Jährige ihr Ehrenamt nieder legen. Ob es einen Nachfolger gibt? Achselzucken.

Vor 40 Jahren hat Agnes Zangerle aufgehört zu arbeiten. Sie war lange Zeit Hausfrau und Mutter. Als die drei Kinder aus dem Gröbsten waren, wollte sie wieder ins Berufsleben einsteigen.

Mit 52 Jahren schloss sie eine Qualifizierungsmaßnahme des Arbeitsamtes erfolgreich ab. Zu dieser Zeit, so erklärt die Aschbacherin, habe es für ältere Fachkräfte keinen Arbeitsmarkt gegeben. Die Christliche Gewerkschaft wurde von der Rentenversicherung damit beauftragt, Versicherungsälteste für die ehrenamtliche Beratung von Versicherten in Lebach zu suchen. „Das ist was für mich“, dachte sich Zangerle. Sie war Mitglied der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und erhielt eine Anfrage diesbezüglich. Total motiviert besuchte sie mehrere Kurse der Deutschen Rentenversicherung Saarland und wurde auf die Tätigkeit vorbereitet. Gut 13 000 Personen hat sie im Laufe der Jahre betreut, beraten und ihnen geholfen.

Im November 2000 begann sie ihre Beratungen in ihrem Eigenheim in Aschbach. An zwei Tagen in der Woche konnten sich Männer und Frauen bei ihr anmelden, um sich beraten, die Rente ausrechnen lassen oder sich zu informieren, was noch fehle. Sie half bei der Kontenklärung, wenn Schul-, Studium-oder Kindererziehungszeiten fehlten. bei Rentenanträgen, wenn jemand vor Erreichen der Altersrente krank wurde, bei Erwerbsminderungsrente oder einfach bei der Regelaltersrente. „Ich freue mich besonders, dass die ältere Generation von Frauen, die die Kinder erzogen haben und kaum gearbeitet haben, ab Juli 2014 auch einen Rentenanspruch erreichten.“

Gut erinnert sich Agnes Zangerle auch an die Beratung eines kurdischen Ehepaares. Sie merkte gleich, dass die Frau alles versteht, der Mann führte aber das Wort. Sie machte ihn darauf aufmerksam, dass schließlich seine Frau den Rentenantrag stelle und sie ihr die Fragen beantworten solle. Man wäre hier ja in Deutschland. Nachdem der Rentenantrag ausgefüllt war, erschrak Zangerle aber sehr. „Die Frau hat mit drei Kreuzchen unterschrieben.“ Den Mann ließ sie sicherheitshalber mit unterschreiben.

Oft hätten vor allem ältere Frauen sie angerufen und um Rat gebeten. Das waren nicht immer Rentenangelegenheiten. Und Agnes Zangerle half, wo immer sie konnte. Auch ist ihr passiert, dass Menschen ihr gegenüber frech wurden. Ihnen war der errechnete Betrag zu niedrig. Da habe auch nicht geholfen, dass die Versicherungsälteste sie auf ihre geringen Beitragszahlungen hingewiesen habe. „Die habe ich dann einfach weggegjagt.“

Viele Schicksale hat sie im Laufe ihrer Beratertätigkeit kennen gelernt. Von ihrer Familie (drei Kinder, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel) wurde sie immer unterstützt. Ihr Mann habe oft als Empfangschef fungiert und versucht die Wartezeit für die Versicherten zu verkürzen.