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Absage Udo Lindenberg-Open-Air in Lebach: Was wird mit Karten?

Kostenpflichtiger Inhalt: Ersatzlose Absage des Udo-Lindenberg-Open-Air in Lebach wirft rechtliche Fragen auf : Wer Udo bezahlt hat, muss erstmal warten

Nach der Absage des Großereignisses auf dem neuen Open-Air-Gelände La Motte in Lebach sorgt eine unklare Praxis bei der Rückerstattung von Konzert-Karten für Unmut. Veranstalter und Kartenverkäufer spielen Schwarzer Peter.

Eines der musikalischen Highlights des Jahres wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Eigentlich hätte Udo Lindenberg am 27. und 28. Juni auf der Lebacher Pferderennbahn La Motte zwei Open-Air-Konzerte gespielt. Doch daraus wird nichts. Laut Veranstalter können die Tickets ab dem 1. Juni zurückgegeben werden – die Karteninhaber sollen ihr Geld erstattet bekommen (wir berichteten).

Ein SZ-Leserreporter hat sich daraufhin bei uns gemeldet. Die Ankündigung, dass ab dem 1. Juni Ticketbesitzer der ersatzlos abgesagten Udo-Lindenberg-Konzerte in Lebach den Kaufpreis zurückerhalten, muss den SZ-Leser verwundert haben. Er stünde in Kontakt mit CTS Eventim, einer der beiden Ticketvermittler der Konzerte. Der Ticketanbieter weist den Karteninhaber in einer E-Mail auf eine laufende Gesetzesinitiative hin, die eine Gutscheinlösung vorsieht – diese lehnt der Käufer aber grundsätzlich ab.

Eventim macht auf seiner Homepage darauf aufmerksam, dass nicht er als Ticketanbieter, sondern der Veranstalter entscheide, „ob wir Ihnen Geld erstatten dürfen, oder ob Sie einen Gutschein erhalten“. Doch warum gibt es dann die Mail seitens Eventim, die eine etwaige Gesetzesänderung betont?

Die Entscheidungshoheit liegt also beim Veranstalter. Doch schon hier wird es knifflig. An wen sollen sich die Ticketkäufer wenden? Die Alm Event Gastro GmbH tritt bei den abgesagten Open-Air-Konzerten nur als örtlicher Veranstalter auf.

Auf SZ-Nachfrage erklärt der hiesige Veranstalter, dass „nach unseren Informationen Eventim am 1. Juni schrittweise mit der Rückerstattung startet. Ticket Regional hat seine Kunden bereits per Mail informiert. Hier läuft die Rückabwicklung schon.“

Alm Event Gastro aus Schiffweiler erklärt, dass er als „örtlicher Veranstalter keinen Einfluss darauf hat“, ab wann die Tickets erstattet werden. Auch „können wir nicht beeinflussen“, in welcher Form die Erstattung abläuft. Ein Sprecher von Alm Event sagt der SZ: „Ob Gutscheine oder Geld erstattet werden, liegt in der Hand des Tourneeveranstalters zusammen mit den Ticketanbietern.“

Also weiter zum Tourneeveranstalter: Die deutschlandweite Tour des Rock-Sängers mit Hut und Sonnenbrille hat die Kölner Event- und Veranstaltungsgesellschaft „Think Big“ organisiert. Die schreibt auf ihrer Homepage: „Die Ticketpreise werden allen an den entsprechenden Vorverkaufsstellen ab 1. Juni 2020 rückerstattet.“

Doch auch das wirft Fragen auf. Warum ist eine Rückabwicklung erst ab dem 1. Juni möglich? Und warum weist der Ticketvermittler Eventim auf die Gutscheinlösung hin, wenn eine Rückerstattung vom Veranstalter angekündigt wird und der Kartenkäufer diese auch vehement fordert?

Als Antwort lohnt sich ein Blick in die derzeitigen Geschehnisse im Bundestag. Dort stehen am Donnerstag, 14. Mai, „Hilfsmaßnahmen im Kulturbereich“ auf der Tagesordnung – explizit eben jene Gesetzesinitiative zur Gutscheinlösung.

Anstelle von Bargeld soll es bald also Gutscheine geben. Ein vom Bundeskabinett beschlossener Gesetzesentwurf sieht vor, dass „die Veranstalter von Freizeitveranstaltungen berechtigt sind, den Inhabern der Eintrittskarten statt der Erstattung des Eintrittspreises einen Gutschein zu übergeben“. Das Gesetz müsste zusätzlich vom Bundesrat behandelt und abgesegnet werden. Die Gesetzesänderung soll alle vor dem 8. März erworbenen Tickets betreffen.

Brisant bei der Rückerstattung der Udo-Lindenberg-Tickets: Wenn die Rückabwicklung erst Anfang Juni anläuft, könnte die Gesetzesänderung schon beschlossen sein.

Thomas Kollner von Eventim äußert sich auf SZ-Nachfrage wie folgt: „Der Veranstalter hat den 1. Juni als Termin für Rückerstattungen angesetzt.“ Die Ticketkosten werden also ausgezahlt.

Eventim verweist zudem auf eine „Information, die wir vor einiger Zeit an alle betroffenen Kunden verschickt haben“. Darin geht es allerdings nicht um die geplante Gesetzesänderung, sondern um die dargelegten Abwicklungsverfahren der Udo Lindenberg-Konzerte. Gut möglich, dass die Zeitungsnachfrage bei Eventim zur Kursänderung geführt hat.