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Lärmbelästigung in der Altstadt in Saarlouis soll ein Ende haben

Kostenpflichtiger Inhalt: Lärmbelästigung : Am Wochenende dröhnt die Altstadt in Saarlouis

Seit Monaten lärmt es in Teilen der Saarlouiser Altstadt an Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden. Ab Ende Februar soll sich das nun ändern.

Morgens, halb fünf, an einem beliebigen Wochenende in der Saarlouiser Altstadt. Wummernde Bässe, die man bis zu den Rändern der Altstadt nicht nur hört sondern spürt, lassen die Altstadt buchstäblich erbeben. So berichten es betroffene Anwohner, denen seit Monaten an beinahe jedem Wochenende das morgendliche Konzert die Nachtruhe raubt.

Während die meisten Gaststätten der Altstadt bereits geschlossen haben, herrscht bei einer Handvoll Bars rund um das so genannte Bermuda Dreieck, Kreuzung Bier- und Sonnenstraße, aus teils offenen Fenstern und Türen Dauerbeschallung. Teilweise auch bis über die Sperrzeit von 5 Uhr hinaus, wie Handyaufnahmen von Anwohnern belegen. Das Problem, so Oberbürgermeister Peter Demmer, sei bekannt. Und das nicht erst seit kurzem. So sah sich die Verwaltung der Kreisstadt bereits im Juni vergangenen Jahres „auf Grund mehrerer aktueller Beschwerden“ genötigt, die Kneipiers der Altstadt per Anschreiben an ihre Pflichten zu erinnern.

In dem Schreiben vom 24. Juni 2019 weist die Ortspolizeibehörde darauf hin, dass die Nachtruhe um 22 Uhr beginnt und um 6 Uhr morgens endet. „Nach 22 Uhr ist das Abspielen von Musik im Außenbereich und an geöffneten Türen und Fenstern einzustellen!“, heißt es dort weiter mit Verweis auf die Lärmschutzverordnung.

Eine Lärmmessung der Berufsgenossenschaft, die unserer Zeitung vorliegt, und nur wenige Wochen später an einem Freitagabend nach 23 Uhr durchgeführt wurde, spricht hingegen eine andere Sprache. Hier wurden unter anderem im Außenbereich zwischen den Gaststätten Blondes und Le Copain in der Mitte der Sonnenstraße in einer Höhe von 1,60 Metern (Ohrhöhe) 82,6 dB(A) gemessen. Das entspricht in etwa dem Lärm einer Hauptverkehrsstraße.

Geändert hat sich jedoch seither wenig. Anwohner und auch Wirte sind frustriert. Anrufe bei der Saarlouiser Polizeiinspektion, die rund 50 Meter entfernt von der „Partyzone“ sitzt, bleiben nicht selten erfolglos. Die Beamten sind oft bereits andernorts im Einsatz gebunden. Die Unterbesetzung der Saarlouiser Polizei ist spätestens seit dem Brandbrief von OB Demmer vom letzten Jahr ans saarländische Innenministerium bekannt. Die private Security, die nachts durch die Altstadt patrouilliert, ist ebenfalls keine große Hilfe. Der private Sicherheitsdienst könne solche Verstöße lediglich dokumentieren, eingreifen dürfe er nicht, erklärt der kommissarische Ordnungsamtsleiter Frederic Stinnen. Sie haben nicht mehr Rechte als jeder normale Bürger: Jedermannsrecht. Aus der Verwaltung der Stadt Saarlouis war zu erfahren, dass aufgrund von Krankheitsausfällen das zuständige städtische Ordnungsamt unterbesetzt sei. Das Ordnungsamt könnte, so schreibt es selbst, in dem zuvor erwähnten Anschreiben als Sanktionen die Sperrzeit auf 22 Uhr vorverlegen oder „die Beschäftigung unzuverlässiger Personen“ untersagen. „Sie werden hiermit in Ihrem eigenen Interesse gebeten, durch geeignete Maßnahme für entsprechende Abhilfe der genannten Missstände zu sorgen“, heißt es in dem Anschreiben weiter. Geeignete Maßnahmen seien unter anderem das Schließen sämtlicher Fenster und Türen, oder die Beschallung von den Fenstern weg auszurichten. Auch den Einbau so genannter verwinkelter Schallschutzschleusen im Eingangsbereich werden vom Ordnungsamt vorgeschlagen, sowie eine entsprechende Einweisung der Mitarbeiter. „Jegliche Verstöße hiergegen“, so das Anschreiben schließlich, „werden zur Anzeige gebracht und durch ein Bußgeld geahndet“.

Zuständig bei Lärmbelästigung und Ruhestörung ist übrigens die Kreispolizeibehörde im Landratsamt. Die dortige Pressestelle teilte auf Anfrage mit, dass es im letzten Jahr im Bereich Kreuzung Sonnen- und Bierstraße „deutlich häufiger zu Lärmbelastungen als in den Jahren zuvor“ gekommen sei. „Demnach wurden auch über zehn Ordnungswidrigkeiten wegen Ruhestörung ausgesprochen.“ Daran gekoppelt sind Bußgelder, die bei 50 Euro starten und bei Wiederholung steigen. Offenbar ohne nachhaltigen Effekt, denn die besagten Gaststätten pumpen an den Wochenenden zu morgendlichen Stunden unvermindert weiter ihre Bässe in die Altstadt.

Dabei sei man seitens der Verwaltung, so Hauptamtsleiter Thomas Jacob, mit den Inhabern seit Monaten in Kontakt. Und obwohl, so Jacob weiter, einer der Protagonisten inzwischen an einem Gesamtkonzept mit „ordentlicher Lautstärke“ arbeite, fehle oft die Einsicht bei den Verursachern. Erschwerend komme dazu, dass „die Protagonisten“ – will sagen, die Betreiber – „häufig wechseln“.

Dennoch gibt es – nach Monaten – Licht am Ende des Tunnels. Bis Ende Februar, so Verwaltungschef Peter Demmer und Ordnungsamtsleiter Frederic Stinnen, stehen dem städtischen Ordnungsamt „vier bis fünf“ neue Mitarbeiter zur Verfügung, die derzeit noch in einer Schulung sind. Möglicherweise wird sich die Situation in der Altstadt dann wieder normalisieren. Man wird sehen, beziehungsweise hören.