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Ansiedlung
Küchen-Hersteller will auf Lisdorfer Berg bauen

Nobilia beschäftigt am Firmensitz in Verl derzeit rund 3000 Menschen. Nun plant der Branchen-Primus offenbar auch ein Werk in Saarlouis.
Nobilia beschäftigt am Firmensitz in Verl derzeit rund 3000 Menschen. Nun plant der Branchen-Primus offenbar auch ein Werk in Saarlouis. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Saarlouis. Im Saarland könnten schon bald mehr als 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Küchenhersteller Nobilia denkt offenbar intensiv über ein Werk im Industriegebiet Lisdorfer Berg nach. Von Peter Wilhelm

Es wäre eine der größten Firmen-Ansiedlungen seit Jahren im Saarland: Nach SZ-Informationen plant der deutsche Küchenhersteller Nobilia den Bau eines Werkes im Saarlouiser Industriegebiet Lisdorfer Berg. Rund 1200 Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen. Ähnlich große Industrie-Ansiedlungen liegen mit den Werken von Ford und ZF fast 50 Jahre zurück.


Größte sofort verfügbare Industriefläche

Laut übereinstimmenden Quellen hat der Küchenhersteller offenbar großes Interesse an dem mit 28 Hektar größten Grundstück des Industriegebiets. Die Fläche gilt als das Filetstück am Lisdorfer Berg – und würde perfekt zu den Anforderungen des Küchenherstellers passen. Es ist die größte sofort verfügbare und zusammenhängende Industriefläche in Südwestdeutschland.



Marktführer für Küchen

Nobilia hat seinen Sitz in Verl (bei Gütersloh) und ist der Marktführer in Deutschland. Jede dritte verkaufte Küche der Republik kommt aus Verl, im mittleren Preissegment zwischen 5000 und 6000 Euro ist es sogar jede zweite. Im Geschäftsjahr 2015 durchbrach die Firma erstmals die Schallmauer von einer Milliarde Euro Umsatz.

Nobilia wächst seit vielen Jahren stetig. Während der Konkurrent Alno, mit knapp der Hälfte des Umsatzes und der Mitarbeiter bis dahin der Branchen-Vize, im vergangenen Jahr Konkurs anmelden musste, verbucht Nobilia von Jahr zu Jahr Zuwächse und schreibt Rekordzahlen. Im Oktober kaufte die Firma die insolvente Alno-Billig-Tochter Pino auf.

29 700 Küchenschränke täglich

Das 1945 von zwei Brüdern gegründete Familien-Unternehmen beschäftigt an zwei Produktionsstandorten in Verl rund 3000 Mitarbeiter – und stellt nach eigenen Angaben täglich 29 700 Küchenschränke her. Jährlich verlassen mehr als 630 000 Küchen die beiden Werke. Bislang.

Saarlouis seit Wochen im Gespräch

Denn Nobilia möchte weiter zulegen. Der Name Saarlouis als möglicher neuer Standort hält sich dabei laut der Zeitung „die Glocke“ in Verl bereits seit Wochen hartnäckig. Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung sagte Lars M. Bopf, der Sprecher der Nobilia-Geschäftsführung, am Donnerstag: „Nobilia will weitere Kapazitäten aufbauen und prüft, wo eine solche Erweiterung stattfinden kann.“ Weitere Informationen könnte es bereits Freitag geben, wenn der Hersteller am Stammsitz seine Bilanzpressekonferenz abhält.

Land hält sich bedeckt

Von Seiten des Landes gab es keine offizielle Stellungnahme zu den Plänen. Von der landeseigenen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (GW Saar), die die Flächen am Lisdorfer Berg vermittelt, hieß es nur: „Die Vermarktung des Industriegebietes läuft sehr gut.“ Mitglieder des Lenkungsausschusses, der bei Neuansiedlungen am Lisdorfer Berg mitentscheidet, verwiesen auf ihre „Verschwiegenheitspflicht in dieser Sache“. Aus Branchenkreisen hieß es: „Einen solchen Schritt von Nobilia können wir uns in einem Zeitraum von drei bis vier Jahren sehr gut vorstellen.“

Ideale Lage für den Export

Der Standort am Lisdorfer Berg, in Sichtweite zur französischen Grenze, wäre auch deshalb sinnvoll, weil der Export für das Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielt. In insgesamt 80 Länder liefert der Hersteller – der mit weitem Abstand größte Markt ist dabei Frankreich. Fast die Hälfte seines Auslandsgeschäfts macht Nobilia dort. In Saarbrücken wurde bereits ein Vertriebszentrum für den französischen Markt errichtet.

Auch Kaiserslautern war schon im Fokus

Laut SZ-Informationen hatte Nobilia bereits vor Jahren Überlegungen angestellt, in Kaiserslautern ein neues Werk zu errichten. Dieser Plan wurde allerdings fallen gelassen. Stattdessen wurde 2006 nahe des Stammsitzes in Verl ein zweites Werk gebaut. Auch dieses ist gut zehn Jahre später bereits an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. 2014 gab Nobilia deshalb Pläne bekannt, das Gelände des zweiten Werkes auf 50 Hektar zu verdoppeln. Bislang scheiterte allerdings der Ankauf der Flächen am Widerstand eines Landwirts.

Das Filetstück für den Küchenhersteller? Das Industriegebiet Lisdorfer Berg– hier könnte auf 28 Hektar Fläche das neue Nobilia-Werk entstehen.
Das Filetstück für den Küchenhersteller? Das Industriegebiet Lisdorfer Berg– hier könnte auf 28 Hektar Fläche das neue Nobilia-Werk entstehen. FOTO: Ruppenthal