Kronkorken-Kunst versprüht Leichtigkeit des Seins

Kronkorken-Kunst versprüht Leichtigkeit des Seins

Saarwellingen. Der Titel "Sex im Kugelschreiber" ist ein Lockvogel. Um Sex geht es nicht. Es ist ein Zitat aus einer Werbeanzeige einer alten Zeitschrift

Saarwellingen. Der Titel "Sex im Kugelschreiber" ist ein Lockvogel. Um Sex geht es nicht. Es ist ein Zitat aus einer Werbeanzeige einer alten Zeitschrift. Das macht Peter Becker - Bilsdorfer des Jahrgangs 1957, Sozial- und Kunstpädagoge im Haus Christopherus in Wallerfangen - gern: Er nimmt alte Zeitungen, ob die religiöse Nachkriegs-Familienzeitschrift "Nach der Schicht", ein französisches Journal von 1935, "Bild und Funk" von 1964 oder einen Saarbrücker Fahrplan von 1927. Darauf kommt ein Kronkorken oder Schraubverschluss von Bier- oder anderen Flaschen zu liegen. Becker zeichnet nach Fotografien mit Ölkreidestiften auf Leinwand. Also, ein Bier aufgemacht, der Kronkorken irgendwo abgelegt, ohne Zweck und Ziel. Im Gegenteil: Wenn die Flasche erst einmal geöffnet ist, hat der Kronkorken seinen Zweck erfüllt. Da kommt die Kunst des Peter Becker ins Spiel. Er spielt mit dem zweckfreien Zufall. Doch indem er alltägliche, banale Dinge in Beziehung zueinander bringt, bezeugt und stiftet er Sinn. Sinn fürs Schöne und Sinn für Humor. Unter einem belgischen Bierverschluss mit dem leibhaftigen Satan wirbt ein Schreiner: "Habe mein Sarglager wieder geöffnet." Oder könnten Beckers Bilder, die wie seine Signatur "PeBec" lediglich Ausschnitt aus einem größeren Ganzen sind, mit all ihrem Witz und ihrer Leichtigkeit nicht gerade dazu ermuntern, auf das Grübeln nach Sinn, Zweck und Ursache lieber zu verzichten? Zur Ausstellungseröffnung sprach Paul Sommer-Landt, ein Freund des Künstlers, ganz zutreffend vom "Königreich des Alltags" und der "Ästhetik des Gewöhnlichen", welche Becker in seinen Bildern zum Ausdruck bringe. Und unter den gut 50 Vernissagebesuchern hörte man immer wieder: "Mir gefällt am besten . . ." Auch die Serie "Die Schuhe meiner Tochter" kam gut an. Es handelt sich um Turnschuhe - pardon: Sneaker.Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 17 bis 19 Uhr, Sonntag elf bis 14 Uhr sowie nach Absprache unter Telefon (06838) 90 07 128. Zur Finissage am 29. November, elf Uhr, findet ein Gespräch mit dem Künstler statt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung