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Erntedank
Mit einem blauen Auge davongekommen

Ein Sinnbild für Trockenheit dieses Jahres bietet hier im August die Maiernte bei Jan Rothkopf auf seinem Feld bei Hüttersdorf.
Ein Sinnbild für Trockenheit dieses Jahres bietet hier im August die Maiernte bei Jan Rothkopf auf seinem Feld bei Hüttersdorf. FOTO: Oliver Dietze
Kreis Saarlouis. Das Jahr fällt für die Landwirte bei uns im Kreis nicht gerade optimal aus. Es hätte aber auch wesentlich schlimmer kommen können.

„Wetterkapriolen 2018 – Landwirtschaft bedeutet mit den Launen der Natur zu leben und zu arbeiten“: Diese Überschrift wählt Erhard Ecker, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Saarlouis, für seine Ausführungen. Wie jedes Jahr blicken die Landwirte zum Erntedankfest zurück und auch ein bisschen in die Zukunft. Hier also Eckers Bericht:


„Die Natur entwickelte sich in diesem Jahr deutlich schneller als sonst üblich. Wer bei der sommerlichen Fahrt über Land aufmerksam die Umgebung beobachtete, konnte feststellen, dass die Bauern die Ernte deutlich früher einfuhren als sonst. Am kommenden Sonntag ist Erntedankfest, und es ist in der Landwirtschaft Tradition, einen Jahresrückblick zu wagen.

Auf ein recht kaltes Frühjahr folgten sommerliche Temperaturen im April und Mai, die der Natur und der Vegetation einen starken Vorsprung verschafften. Dennoch war die Getreideernte 2018 lediglich durchschnittlich.



Die Situation in anderen Bundesländern sah dagegen deutlich düsterer aus. Durch das überwiegend heiße und trockene Wetter in den vergangenen Monaten klagen viele Berufskollegen aus anderen Regionen der Bundesrepublik über starke Mindererträge im Getreidebau und hohe Engpässe in der Futterversorgung. Besonders im Nordosten Deutschlands betrug die Erntemenge lediglich 30 Prozent eines normalen Jahres.

Wir sind im Saarland noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Der überwiegende Teil der tierhaltenden Betriebe muss keine Futterengpässe befürchten. Die Hitzephase war für die Entwicklung von Gras und Mais zwar nicht förderlich, es stehen allerdings in vielen Betrieben noch Futtervorräte aus dem Vorjahr zur Verfügung. Die Hitze und Trockenheit der letzten Monate machten sich für die Milchviehhalter aber nicht nur hinsichtlich der Futtersituation, sondern auch in einem leichten Rückgang der Milchleistung sowie niedrigeren Gehalten an Inhaltsstoffen in der Milch bemerkbar.

Im Gemüsebau konnte die Ernte lediglich durch stetige Bewässerung gerettet werden. Ohne diese Möglichkeit der Wasserzufuhr hätte die anhaltende Trockenheit die Gemüseanbauer mit hoher Wahrscheinlichkeit vor existenzielle Probleme gestellt. Die Kartoffelernte brachte eine qualitativ sehr gute Ware, allerdings durch kleine Sortierung nur eine unterdurchschnittliche Erntemenge.

Landwirtschaft zu betreiben, heißt stets mit den Launen der Natur zu leben und zu arbeiten. Wir säen und wissen nicht, ob wir ernten werden. Wir kaufen Saatgut und Dünger ein und wissen nicht, ob die Erlöse die Erzeugungskosten decken. Ein Herbst mit guten Aussaatbedingungen wäre Grundstein für eine gute Ernte in 2019 gewesen. Bedingt durch die anhaltende Trockenheit sind die Aussaatbedingungen vielerorts jedoch sehr schwierig.“

Ecker schließt mit den Worten: „Dennoch hoffen die Bauern im Kreis Saarlouis das Beste und feiern Erntedank.“

Erhard Ecker aus Niedaltdorf ist der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Saarlouis. Er zieht zum Erntedankfest Bilanz.
Erhard Ecker aus Niedaltdorf ist der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Saarlouis. Er zieht zum Erntedankfest Bilanz. FOTO: Ruppenthal
(pum)