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Krankenhaus Lebach: Mitarbeiter wehren sich gegen geplante Schließung

Geplante Schließung des Lebacher Krankenhauses : Mitarbeiter üben Kritik am Klinik-Träger

Die Mitarbeiter des Lebacher Caritas-Krankenhauses wehren sich gegen die geplante Schließung der Klinik – und werfen dem Träger der Einrichtung Versäumnisse und Fehler vor. Sie sind überzeugt: Die Klinik ist überlebensfähig.

Die Scheiben der Durchgangstür im ersten Stock sind abgeklebt, vor der Tür hängt Flatterband, dazu ein Schild: Isolierstation. Durchgang verboten. Die erste Etage im Lebacher Krankenhaus ist hermetisch abgeriegelt, es gibt einen gesonderten Zugang – und sogar einen eigenen Aufzug. Seit rund 14 Tagen ist die „Corona-Station“ im Lebacher Krankenhaus im Betrieb, in den vergangenen Tagen stieg die Zahl der Patienten stark an.

Doch die Ärzte und Pfleger kämpfen hier nicht nur darum, dass die Kranken wieder gesund werden, sie kämpfen auch um ihre Arbeitsplätze. Der Klinik-Träger, die Cusanus Trägergesellschaft Trier (CTT), hat die Schließung des Krankenhauses angekündigt (wir berichteten). Der genaue Zeitpunkt ist noch offen. Als Grund gibt der Träger an, dass die Klinik in den „vergangenen fünf bis sechs Jahren jeweils ein Minus von rund zwei Millionen Euro“ erwirtschaftet habe.

Die Belegschaft hat sich mit öffentlichen Äußerungen lange zurückgehalten, doch jetzt meldet sich die Mitarbeitervertretung zu Wort. „Um der Vielzahl von (vermeintlichen) Fakten, Irritationen und auch Spekulationen entgegenzuwirken“, wie der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Gerhard Sauer, schreibt.

Sauer bestätigt die vom Träger genannten Verluste, wirft der CTT aber auch schwere Versäumnisse vor. „Das Haus stand bis Anfang 2019 unter der Geschäftsbesorgung durch die Marienhaus-Gruppe. Unsere Mitarbeitervertretung mahnte vehement an, dass es nicht möglich ist, zwei Herren – also unserem eigenen Träger und der Marienhaus-Gruppe – gleichzeitig zu dienen.“ Das habe zu Interessenkonflikten geführt, auf die die Mitarbeitervertretung auch mehrfach hingewiesen habe – man sei aber nicht gehört worden. „Erst im Juli 2019 – nach unserer Auffassung viel zu spät – wurde das Führungskonstrukt geändert und das Krankenhaus Lebach erhielt eine neue Geschäftsführerin. Ihr gelang es, den Abwärtstrend zu stoppen und das Haus positiv für die Zukunft zu positionieren.“ Sauer untermauert das mit Zahlen: „In den letzten Monaten des Jahres 2019 war das Krankenhaus zu 80 Prozent belegt. Unter der vorherigen Geschäftsführung lag die Belegung durchschnittlich bei 60 Prozent. Allein im Kalendermonat Februar 2020 erwirtschaftete das Krankenhaus Lebach eine Viertelmillion Euro an Erlösen.“ Bei der Berechnung der Prognose für Lebach habe der Träger alte und überholte Daten benutzt. Die Belegschaft sehe daher keinen Grund, dass das Krankenhaus geschlossen werden müsse, man kämpfe „auf allen Ebenen“, um die Schließung zu verhindern.

Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es für das Saarland ist, das Krankenhaus Lebach zu erhalten. „Sowohl strategisch als auch geografisch ist das Krankenhaus Lebach von enormer Bedeutung“, unterstreicht Sauer. „Die neuen Intensivbetten und die neu aufgestellte Covid-19 Station mit insgesamt 27 Betten (davon acht geplante Beatmungsplätze) sind in der aktuellen Situation existenziell für das Saarland. Mit dann insgesamt 27 Beatmungsplätzen trägt das Haus zur Stabilisierung der Versorgung bei. Es geht darum, Leben zu retten und die Gesundheitsversorgung flächendeckend zu erhalten.“

Unterstützung erhalten die Mitarbeiter von den Bürgermeistern der umliegenden Kommunen. „Damit die Versorgung von weit über 50 000 Menschen in der Region gesichert bleibt, muss die Klinik in Lebach auch nach der Corona-Krise am Netz bleiben und zukunftssicher gemacht werden“, schreiben die Verwaltungschefs aus den Kommunen Lebach, Schmelz, Eppelborn und Nalbach in einer Pressemitteilung. Die Lage sei ideal, die Klinik bestens – und vor allem schnell – erreichbar. Das Krankenhaus mit seiner Rettungswache garantiere somit die Notfallversorgung der Menschen im mittleren und nördlichen Saarland. „Wenn dieser Standort wegfällt, klafft in der Region eine riesige Lücke.“

Tag für Tag zeigen die Mitarbeiter – nicht nur im Kampf gegen das Coronavirus – großen Einsatz. Oftmals zahlt er sich aus. Auch beim Kampf um die eigene Klinik?