| 21:18 Uhr

Wochenkolumne
Wer kann das noch hören?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Müde macht das, oder? Immer häufiger beschleicht mich bei Hören der Nachrichten eine Schläfrigkeit. Immer und immer wieder das gleiche Spiel: Entlastung der Kommunen, Entwicklung des ländlichen Raums, Bildung und Forschung, schnelles Internet, flächendeckender Empfang und so weiter.

Ist übrigens egal, ob es jetzt beim Groko-Basar oder bei Länder-Koalitionsverhandlungen ist. Wenn es nur wenigstens Wiederholungen wären, mit denen sich sparen lässt, wie es das Fernsehen so gerne tut. Vieles, bis auf die Digitalisierung eigentlich alles, hören wir so lange wir uns für politische Dinge interessieren. Und fangen wir bei dem Neuzeitlichsten an. Handy-Empfang und schnelles Internet: So oft wie versprochen müssten wir doch wenigstens den Standard von Bali erreicht haben. Ist nicht, und wer noch damit rechnet, muss streng genommen mal seinen Realitätssinn checken lassen.


Entlastung der Kommunen? Würde theoretisch außer mit fairer Finanzausstattung durch Zusammenarbeit oder im Idealfall Zusammenlegungen erreicht. Mehr als regelmäßige Gutachten gibt es dazu aber nicht. Bildung, Forschung? Klar: zig Tausende Lehrer fehlen ebenso Kita-Plätze. Hat wahrscheinlich mit Bildung nichts zu tun, und Forschung haben doch die alten Nobelpreisträger gemacht.

Gleichstellung von Mann und Frau, Investitionen in die Infrastruktur, Anreize für verbesserte Pflege und Angebote für junge Ärzte abseits der großen Städte zu arbeiten . . . Darf’s noch mehr sein in der Liste? Wer kann das noch hören? Keiner, und dann soll er auch nicht noch mehr davon lesen müssen.