Wir sind „Lügenpresse“

Unwort des Jahres - das ist immer eine spannende Geschichte. Oft bin ich nicht so einverstanden, und manches schlimme Wort ist nie gewählt worden, obwohl es für mich ganz oben auf die Liste gehörte. Jetzt haben die Sprachweisen aus dem deutschen Abendlande "Lügenpresse" auserkoren.

Schon die zweite Woche, in der wir Medienmenschen zu Ruhm kommen. Vor sieben Tagen ereilte uns das auf ü belste Weise. Wie steht es diese Woche? Haben wir uns das verdient? Dürfen oder sollten wir mit Schildern rumrennen: "Wir sind Lügenpresse"? Würde ich glatt machen, weil es so verrückt ist, uns allen von "Bild" bis "taz", von "Hamburger Morgenpost " bis "Münchner Merkur " in eine Schublade zu stecken, die dann auch noch in quietschend brauner (Sprach-)Färbung angestrichen ist.

Manche Irrungen und Wirrungen sollten wir noch nicht einmal mit Empörung würdigen. Als Lady Di damals von einer (Foto-)Journalisten-Meute zu Tode gehetzt wurde, waren wir alle auf einmal schlimme Finger am Fotokamera-Auslöser. Das ist genauso blödsinnig, als wären wir alle Helden, wenn zwei höchstbegabte Reporter sich mit der Aufdeckung des Watergate-Skandals hervortun.

49 Wochen stehen uns 2015 noch bevor. Ich fänd's in Ordnung, wenn wir den Rest des Jahres berichten und kommentieren, statt dass über uns berichtet und gemeint wird.