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Winters findet Infektion nicht ehrenrührig

Kolumne zum Coronavirus : Vernunftlicht anknipsen

Wir hatten den Impuls, richtig Rabatz zu machen: Ein Mann des öffentlichen Lebens, ein Ehrenbeamter kann doch keinen Anspruch darauf haben, dass seine Ansteckung mit dem Coronavirus verschwiegen wird.

Was ist denn da bitte mit dem Anspruch der Öffentlichkeit auf Information? Müsste nicht also die Redaktion zu Hinweisen auf die (Presse-)Rechtslage greifen, um sich und damit die gebotene Information durchzusetzen?

Wir haben darauf verzichtet. Zum einen werden die Menschen in diesem Ort hier im Landkreis es wissen, werden sich an die Stellvertreterin dieses Ortsvorstehers wenden und sich ihren Teil dabei denken. Zum anderen ist es die Sache am Ende nicht wert, sie größer zu machen, als es der gewählte Volksvertreter verdient hat.

Was dahinter steckt, ist wichtiger: Hier kommt ein Mensch auf den Gedanken, sich nicht dazu bekennen zu dürfen, dass er das Pech hatte, sich das Virus einzufangen. Als würde es um ein gesellschaftlich verheerendes Outing gehen.

Warum? Muss, wer von Corona erwischt wird, sich falsch verhalten haben? Hat, wer positiv getestet und in Quarantäne geschickt wird, das nicht besser verdient?

Das ist absolut abwegig. Es gehört zu den irrwitzigen Geschichten, die diese Krise erzählt. In Krankenhäusern geraubte Desinfektionsmittel, Atemmasken und Schutzkleidung, Handgreiflichkeiten in Arztpraxen oder blödsinnige Forderungen, getestet zu werden. Da geht der verschämte Wahnsinn in den offenen über.

Ja, es ist unerfreulich, und es wird höchstwahrscheinlich noch weit unerfreulicher werden. Aber es ist doch kein verheerendes Erdbeben, es ist keine katastrophale Überschwemmung, es ist kein Krieg. Und wer infiziert wird, ist kein Aussätziger. Knips doch bitte mal einer wieder das Vernunftlicht an.