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Wie werden sich die Menschen einst an die Corona-Pandemie erinnern?

Kolumne : Eine Erinnerung

Geschichten gibt es viele. Heutzutage mehr als je zuvor. Dennoch kann Bedeutendes in Vergessenheit geraten.

Neulich habe ich mich gefragt, wie die Corona-Pandemie in Erinnerung bleiben wird. Wird sie als Zeit des Schmerzes und des Verlusts in die Geschichte eingehen? Wird sie als wirtschaftliche Rezession gigantischen Ausmaßes im Gedächtnis bleiben? Oder wird sie als Zeit des Zusammenhalts und der Kraft der Vielen unvergessen bleiben?

Wie ich so grüble, wird mir bewusst, dass es die eine Erinnerung nicht gibt. Nie gegeben hat. Dennoch merkt, wer einen Blick in den Rückspiegel der Geschichte wagt, wie sehr der Blick von der Wahrnehmung Einzelner geprägt ist. Wo es wenige überlieferte Quellen gibt, sind es Geschichtsschreiber und Buchautoren, die ein Ereignis in Worte kleiden, ansehnlich konservieren und damit auf lange Zeit erinnerbar machen.

Enzyklopädien, Lexika und Chroniken bündeln das Viele und verkürzen es auf das Erinnerbare. Heute sind wir alle Geschichtsschreiber. Zumindest digital. Das ist positiv, weil demokratisch im Effekt. Denn die eine Erinnerung gab und gibt es nie. Es ist aber auch negativ. Im Dunst des Vielen kann die Erinnerung vernebelt werden.

Und digital ist sie nicht von Dauer. Über die gedruckten Werke haben Online- und andere Digitallexika obsiegt. Ob das nicht letztlich eine Niederlage bedeutet, wird sich zeigen. Fest steht, dass heute digital nichts mehr fest steht. Und auch wenn es die eine Erinnerung nie gegeben hat: Wir brauchen neben unserer eigenen eine möglichst getreue für alle. Sonst ist die Erinnerung für künftige Generationen verblasst.