SZ-Bauernkalender: Gegen die Verteufelung des Fleischessens

SZ-Bauernkalender : Ist das Wiener Würstchen die Zigarette der Zukunft?

Wenn es so weitergeht, befürchtet Sebastian Jung, wird, wer Fleisch verzehrt, bald zum Bösewicht. Ein Plädoyer gegen aktionistischen Fleischverzicht.

Fleisch ist in Verruf geraten. Schnitzel und Wiener Würstchen sind – wenn man dem aktuellen Diskurs folgt – nur noch mit Schuldgefühlen zu verzehren. Was wir essen sollen und dürfen, ist nicht zuletzt durch die Diskussionen um Landwirtschaft und Klimawandel zu einem Schauplatz von Grabenkämpfen und Glaubensfragen, wenn nicht sogar zu einer Ersatzreligion geworden.

Im Zentrum der Diskussion steht hier die Frage der „richtigen Ernährung“, die über zwei maßgebliche Punkte definiert wird: ethische Korrektheit und Gesundheit. Diese Sicht der Dinge hat jedoch einen Beigeschmack von Rechtgläubigkeit, wenn das tägliche Essen auf diese Weise moralisch aufgeladen und instrumentalisiert, sowie die Frage nach dem richtigen Leben an dem richtigen Ernährungsverhalten festgemacht wird. Denn wer sich offenkundig ungesund ernährt, wird gesellschaftlich schnell als unklug abgestempelt – denn der Unkluge hat sich schließlich selbst nicht im Griff.

Etwas gesunder Menschenverstand kann bei dieser Diskussion jedoch nicht schaden. Menschen haben sich im Laufe der Evolution daran angepasst, dass ihre Ernährung Fleisch enthält. Das heißt nicht zwangsläufig, dass nicht auch fleischarme Kost gesund sein kann. Allerdings wäre der Homo sapiens dann eine spektakuläre Ausnahme von der Regel, dass Lebewesen gedeihen, wenn sie das essen, worauf sich ihr Körper über Tausende von Jahren eingestellt hat.

Es klingt ungewohnt, aber vieles spricht dafür, dass Fleisch schlichtweg gesund ist. Es enthält hochqualitatives Protein, B-Vitamine, Zink, Eisen, Magnesium und auch ungesättigtes Fett, wie man es ebenso in Olivenöl findet. Frisch zubereitetes Fleisch scheint – in Maßen genossen – für die Gesundheit daher eher gut als schlecht.

Wir sollten deshalb aufhören, ein nährstoffreiches Lebensmittel wie Fleisch zum Sündenbock für falsche Ernährung in der westlichen Welt zu machen. Wir lieber jene stetig und ständig zur Verfügung stehenden Snacks vermeiden, die vor allem aus Zucker, Stärke und Speiseöl bestehen und uns darüber hinaus mehr bewegen. Maßhaltigkeit und gesunder Menschenverstand sind von daher gefragter denn je.

Im SZ-„Bauernkalender“ berichten Landwirte aus der Region jeden Monat über anstehende Arbeiten oder behandeln aktuelle Themen aus der Landwirtschaft.

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