SZ-Bauernkalender dreht sich um die Herausforderung regional einkaufen

SZ-Bauernkalender : Regionalität beginnt auch hier in erster Linie im Kopf

Regional einkaufen – das ist eine Herausforderung für Verbraucher und Bauernfamilien. Darüber schreibt Theresia Croon.

Regional erzeugte Produkte liegen voll im Trend und viele Verbraucher fragen sich: „Wie und wo kann ich solche Lebensmittel einkaufen?“ In unserem Betrieb wurden schon immer Einkellerungskartoffeln im Herbst angeboten. Der Nachfrage nach kleineren Mengen bin ich seit dem Jahr 2009 mit meiner „Kartoffelkiste“ nachgekommen. Klassische Verkaufsstände oder der Einsatz moderner Technik wie beim Automatenverkauf kommen dem Kundenwunsch nach einem möglichst unkomplizierten Einkauf entgegen.

Vielerorts gibt es bereits „Milchtankstellen“ oder sogenannte. „Regiomaten“. Diese Verkaufsautomaten funktionieren wie der Süßigkeitenautomat am Saarbrücker Hauptbahnhof, sind jedoch mit regional erzeugter Milch, Fleisch, Wurst, Eiern, Nudeln und ähnlichen Produkten bestückt.

Für mich als Betriebsleiterin bedeuten diese Absatzwege die Bereitschaft, Kapital in die entsprechende Ausstattung zu investieren, sowie eine Fülle von Vorschriften einzuhalten. Hygiene und Kühltemperaturen sind für die verschiedenen Regional- und Direktvermarktungswege ebenso geregelt wie die Kennzeichnungspflicht und der Umgang mit Verpackungen. Setzt man sich mit den mannigfachen Anforderungen näher auseinander, fragt man sich, warum die Politik solche Bestimmungen auch für die kleinen Betriebe vorschreibt. In vielen politischen Reden werden die Vorzüge einer regionalen Erzeugung angepriesen, bei der man den Erzeuger noch mit Namen kennt.

Vor Ort sind wir Akteure im Leben unserer Dörfer. Ein besseres Qualitätsmanagement kann man nicht haben, als sich täglich der Kritik zu stellen. Unsere Produkte müssen in Preis und Qualität mit den Angeboten im Supermarkt mithalten, obwohl sie doch im Saarland, auf unseren von der Natur benachteiligten Flächen, ohne lange Transportwege erzeugt wurden.

Die Herausforderung des regionalen Einkaufes für den Verbraucher beginnt oft schon mit der Frage: „Darf ich im Zeitalter des Klimawandels überhaupt noch Rindfleisch essen?“ Im Saarland ist der Anteil des Dauergrünlands gemessen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit mehr als 51 Prozent bundesweit am höchsten. Diese Flächen können nur durch Tierhaltung verwertet werden, da Wiederkäuer das Gras in Milch und Fleisch umwandeln.

Auch meine Kunden lassen sich durch CO2-Bilanzen verunsichern. Ich habe Kunden verloren, weil sie zu Vegetariern wurden. Nicht weil sie regional erzeugtes Fleisch ablehnten, sondern weil sie ein Zeichen setzen wollten. Ich respektiere das, muss allerdings doch sagen, dass dadurch gerade die Betriebe getroffen werden, die gesellschaftlich gefordert werden.

Auch die Lebenswirklichkeit der Menschen hat sich geändert. Im Lebensmitteleinzelhandel werden täglich frische Waren aus aller Herren Länder angeboten. Ein Hofladen mit breitem und tiefen Sortiment regionaler Produkte sowie modernen Öffnungszeiten von morgens bis abends kann in einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit der eigenen Arbeitskraft nicht umgesetzt werden. Mit Fremdarbeitskräften ist die Rentabilität der Direktvermarktung nahe Null.

An diesem Punkt beginnt somit die wirkliche Herausforderung für den Verbraucher: Wird der Bezug regionaler Lebensmittel ernsthaft gewünscht muss nämlich der bisherige Lebensstil überdacht werden. Um regionale Erzeugung zukunftsfähig zu machen, müsste der Verbraucher nämlich Vorratshaltung betreiben, sowie regional und saisonal kochen. Regionalität beginnt auch hier in erster Linie im Kopf – für beide Seiten.

Regionale Produkte wie hier Kartoffeln vom saarländischen Feld findet wohl jeder Verbraucher toll. Sie zu vertreiben, ist aber nicht ganz so einfach. Foto: Theresia Croon. Foto: heresia Croon

Im SZ-„Bauernkalender“ berichten Landwirte aus der Region jeden Monat über anstehende Arbeiten oder behandeln aktuelle Themen aus der Landwirtschaft.

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