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Apropos
Redet mit uns wie mit Erwachsenen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
„Ei te tei, wo isser denn, der süße Wählerschatz? Hattu schön zudehört?“ Lang kann es nicht mehr dauern, bis insbesondere rote Pokitiker so mit uns reden werden. Oder stoppt noch wer den Quatsch? Von Mathias Winters

Schluss jetzt. Hören Sie sofort auf mit dieser Pippi-Albernheit! Pippi Langstrumpf ist gemeint, die eine jetzige Parteivorsitzende ja auch schon mal im Bundestag verhunzt hat. Dabei ist das eigentlich gemein gegenüber dem stärksten Mädchen der Welt, denn Pippi ist überhaupt nicht so albern, wie unsere Parteigrandinnen derzeit. Affig ist bei ihr nur Herr Nilsson, und mit Sicherheit dreht sich Astrid Lindgren gerade im Grabe rum, wenn sie diese sprachlichen Vergehen hört.


„Werkstattgespräch“, wie von AKK anberaumt, mag sich ja noch akzeptabel anhören. Ist aber lächerlich für Stuhlkreise, aus denen nichts weiter kommt, als „2015 darf sich nicht wiederholen“. Immer wieder verwunderlich, dass es nur wenige Monate gebraucht hat, bis alle vergessen hatten, was los war, als die Kanzlerin „Wir schaffen das!“ sagte: Die Zustimmung in Deutschland lag bei fast 100 Prozent. Diese Geschichtsverklärung wäre nur zu übertreffen, wenn aus dem Rückblick die Wiedervereinigung samt Freude darüber zum fatalen Fehler erklärt würde. Als hätten wir die vollinhaltlich geschafft.

Noch schlimmer ist aber der Schwindel, den die Sozialdemokraten uns zumuten. Andrea Nahles macht sich und ihrer Genossen Welt, wie sie ihr gefällt (zum Glück singt sie’s diesmal nicht). Kann man alles mal machen, aber ohne diese lächerlichen Wortschöpfungen. „Respektrente“ (übrigens für eine angemessene Auszahlung von vorangegangenen Einzahlungen) oder solches Kleinkind-Sprechen, wie es jedes halbwegs verantwortungsvolle Elternteil bei seinem Nachwuchs spätestens ab dem vierten Lebensjahr korrigiert. „Gute-Kita-Gesetz“, geht’s noch?



Geht’s noch gräußlicher? Ja, es geht: „Kommt Kind, kommt Kita?“, ist in einer Einladung zu lesen. Darüber steht „Dialogveranstaltung“, was wohl Gespräch heißen soll. Nach dem Fragezeichen heißt es in der „Medien-Info/0020“ der SPD-Landtagsfraktion „Kinderbetreuung verlässlich und gut“. Tatort ist Wadgassen, wo der wahlkämpfende Bürgermeister Sebastian Greiber drei Frauen zu Gesprächspartnerinnen hat (siehe Ankündigung auf Seite C  6).

Kommt Publikum, kommt Freude bei den Sozis – versprochen. Ob sie dann mit möglichen Gästen wie mit erwachsenen Menschen reden, bleibt abzuwarten.