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So mancher Politiker macht in Corona-Zeiten keine gute Figur

Das Lockdown-Tagebuch : Hü und Hott in der Pandemie

Während der Pandemie hat es bei einigen Politikern mehr als einen Meinungswechsel gegeben. SZ-Redakteurin Margit Stark wünscht sich da etwas mehr Ehrlichkeit.

Christian Drosten vertraue ich blind, und ich halte große Stücke auf Lothar H. Wieler. Was mir an dem Virologen und an dem Chef des Robert-Koch-Institutes so imponiert, ist ihre Sprache, mit der sie Corona erklären und vor der Pandemie warnen – klar, deutlich und für jeden verständlich. Ihr Wort hat auch deshalb für mich Gewicht, da beide wirklich wissen, worüber sie reden.

Bei so manchem Politiker hege ich da so meine Zweifel. Und oft habe ich die Befürchtung, dass die auch berechtigt ist. Wie viele Rollen vorwärts und Saltos rückwärts hat so mancher Politiker in dieser Pandemie schon geschlagen. Armin Laschet beispielsweise. Preschte der NRW-Ministerpräsident Anfang Mai vergangenen Jahres mit einem Plan, stufenweise zu öffnen, vor, gab er als CDU-Bundesparteichef vor Ostern den großen Schließer und brachte nach Ostern den Begriff „Brücken-Lockdown“ ins Spiel.

Auch sein Parteifreund, Gesundheitsminister Jens Spahn, scheint sich als Vorbild die Echternacher Springprozession genommen zu haben: zwei Schritte vor, einer zurück. „Der Staat werde mit dem Wissen von heute (...) keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen“, wurde er Anfang September zitiert. Das werde nicht noch einmal passieren – bis im Dezember. Kurz vor Weihnachten waren die Zahlen an Corona-Infektionen hoch, seine Versprechungen obsolet und alles doch wieder dicht.

Da lobe ich mir doch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Beide bleiben ihrer Linie als Mahner und Warner vor der Pandemie treu. Klar, Merkel will und muss sich keiner Wiederwahl mehr stellen. Bei Spahn und Laschet sieht das anders aus. Beide wollen es doch sicher nochmal wissen. Aber wollen die Leute wirklich, dass man ihnen nach dem Mund schwätzt? Ehrlich währt am längsten, sagt ein altes Sprichwort. Und das hätte sich nicht so lange gehalten, wenn da kein Fünkchen Wahrheit dran wäre.

An dieser Stelle beschreiben die Mitarbeiter der SZ-Redaktion während des Lockdowns im täglichen Wechsel ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke während dieser sehr ungewöhnlichen Zeit.