Kommentar Saarlouis: Die Rechnung ohne die Wirte gemacht

Kommentar : Die Rechnung ohne die Wirte gemacht

Die Verbote wären der Todesstoß für das Saarlouiser Altstadtfest.

Da ist die Stadtspitze aber knapp mit einem blauen Auge davongekommen: Sie hat nämlich schnell wieder Abstand genommen von ihrem abstrusen „Vorschlag“, den das Ordnungsamt den Wirten schwarz auf weiß angedroht hat. Ernsthaft: Dachten die Hüter von Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit wirklich, dass man nächtlichen Problemen aus dem Weg geht, indem man einfach die Sperrstunde vorzieht? Aus Sicht der Polizei, die mit den bei Volksfesten durchaus üblichen Tumulten nach der Emmes personell überfordert war, scheint es wohl die einfachste Lösung. Schön gedacht, doch hat da jemand die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Nicht nur, dass diese Verbote der Todesstoß für das ohnehin kränkelnde Altstadtfest gewesen wären: Denn wer geht schon auf ein Fest, bei dem die Leute mit ihrem Bier im Plastikbecher um ein Uhr heimgeschickt werden – während man an jedem anderen Wochenende so lange in der Altstadt bleiben kann, wie man lustig ist.

Vor allem: Was ist dies für ein Miteinander und welch fatales Signal an die Wirte, die in der sich wandelnden Altstadt um ihren Umsatz kämpfen? Der Stadtspitze, die zwar gern mit dem Flair ihrer Altstadt wirbt, ist das Treiben dort nach Sonnenuntergang doch seit jeher ein Dorn im Auge; die zunehmenden Reglementierungen haben auch schon viel kaputt gemacht.

Gefördert wird die Kneipenszene in Saarlouis sicher nicht, allenfalls geduldet. Jetzt gerade am Altstadtfest noch die Öffnungszeiten willkürlich zu kappen, hätte dem Ganzen wirklich die Krone aufgesetzt – und die Außenwirkung der „Stadt der puren Lebensfreude“, wie sie sich nennt, gewiss ramponiert.

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