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Kolumne Woche: es ist nicht genug, immer wieder an Holocaust erinnern

Unsere Woche : Nein, es ist noch lange nicht genug

Die Geschichten der Menschen, die den Holocaust überlebt haben, die aus Deutschland fliehen mussten, ihre Familie und alles andere verloren haben, berühren und prägen sich ein. Die Erinnerung an diese Zeit, gerade erst 75 Jahre her, wurde diese Woche wieder etwas lebendiger – dank der Menschen, die sich schmerzlich erinnern, die jetzt noch davon erzählen können.

Gegen das Schweigen, gegen das Vergessen gab es auch bei uns einen Gedenktag mit vielen Schülern in Saarlouis. Nein, es ist nicht genug: Immer wieder muss man aufzeigen, welche unsäglichen Verbrechen auch hier möglich waren und warum. Nie mehr schweigen, das fordert auch die in Saarlouis geborene KZ-Überlebende Esther Bejarano eindrücklich.

Sicher nicht nur mich erfüllt es mit tiefer Scham, in einem Land zu leben, das eine solche Schuld auf sich geladen hat, und in dem heute wieder Rechtsradikale brüllend durch die Straßen ziehen, Synagogen von Polizisten bewacht werden müssen, Flüchtlingskinder auf der Straße angegriffen werden, Fremdenhass und Hetze die Menschen einschüchtern, mehr und mehr Nationalisten als Volksvertreter gewählt werden oder, wie am Mittwoch geschehen, Mahnmale zerstört werden.

Es ist leicht zu denken, man hätte sich damals anders verhalten als die meisten, hätte Widerstand geleistet, nicht mitgemacht. Aber die Frage ist doch: Was tut man heute dagegen, dass sich Hass verbreitet, dass jüdische Gräber mit Hakenkreuzen beschmiert werden, dass traumatisierte Kinder in Lager gesperrt werden, dass offen darüber diskutiert wird, ob man Menschen in Not die Hand reicht – und welchen? Wer macht heute den Mund auf, wenn Unrecht geschieht?