Genauer hinzusehen hilft

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: eine umständliche Bezeichnung. Deshalb nennen wir sie oft einfach nur "UmFs". Wir kürzen ab. Wir vereinfachen. Wir wollen nicht genauer hinsehen. Umso erfreulicher ist es, dass es in Saarbrücken seit dieser Woche eine Einrichtung gibt, die nicht wegschauen möchte. Das Elisabeth-Zillken-Haus unter der Trägerschaft des Sozialdiensts katholischer Frauen gewährt geflüchteten Mädchen seit Montag übergangsweise eine Unterkunft. Eine zentrale "Clearing-Gruppe", in der geklärt werden soll, wie die Mädchen in Deutschland Fuß fassen können. Doch wir sollten nicht nur belehren. Wir sollten auch zuhören und uns dafür interessieren, was Mädchen aus Nordafrika und dem Nahen Osten dazu bewegt, ihr Heimatland alleine zu verlassen. Wir sollten sie fragen, wieso sie bereit waren, tausende Kilometer zurückzulegen, ohne genau zu wissen, ob sie ihr Ziel jemals lebend erreichen würden. Sozialministerin Monika Bachmann hat neulich von einem dieser Mädchen erzählt. Der Fluchtgrund: Es wolle gerne eine Schule besuchen. Können wir uns das hier eigentlich noch vorstellen? Dass unser Kind aufbricht, sein Zuhause verlässt, weil es sonst keine Chance hätte, eine Schule zu besuchen? Wenn dieses Mädchen etwas älter wäre, wäre es für einige wohl ein "Wirtschaftsflüchtling". Gut, dass es sich diesen Vorwurf nicht anhören muss. Gut, dass es jetzt seine Energie darauf verwenden darf, sich auf den Schulbesuch vorzubereiten. Es werden wohl noch weitere solcher Schutzgruppen nötig sein. Doch der Anfang ist gemacht. Wer diese Mädchen heute bestärkt, investiert in die Lehrerinnen, Ärztinnen, Ingenieurinnen und Sozialarbeiterinnen - die Liste ist lang - von morgen.