Geheimnisverrat im Straßenverkehr

Geheimnisverrat im Straßenverkehr

Merkels Handy, mein Computer, das Telefon von Oma – wenn ich mich so umhöre, halten die Geheimdienste überall ihre Augen und Ohren offen. Damit ihnen nur ja kein noch so kleines Geheimnis entgeht, überwachen sie alles und jedes.

Irgendwo im Weltraum schweben riesige Satelliten-Ohren, die jetzt auch alle möglichen Fotos speichern. Es könnte ja sein, dass irgendwelche bösen Menschen sich am Badestrand sonnen, das Foto an ihre Freunde mailen - und schon hat ein Geheimdienst das Bildchen auf dem Radar. Ganz schön kompliziert - dabei ginge es doch so viel einfacher mit den ganzen Daten, auf die jeder so gut aufpassen soll. Ein Blick auf ein Autoheck verrät oft eine ganze Menge über das Leben. Da steht dann das Abiturjahr, das Hochzeitsdatum (damit man es nicht vergisst?), der Heimat- oder Geburtsort, manchmal vertreten durch Landes- oder Länderflagge oder Wappen. Dazu kommen Vereine, Partei und sonstige Dinge, die sonst mehr unter der Decke bleiben. Auch die Kinder sind vertreten - hier fahren Kevin, Chantal, Cindy, Jimmy und ihre Geschwister - und neben den Namen stehen die Fotos. Noch nicht einmal Hund und Katz genießen den Schutz der Anonymität. Ihre Namen, Rassen und ihre Porträts kleben ebenso auf dem Auto wie die Mautvignetten. Ein Blick genügt, und ich weiß, wann mein Vordermann in der Schweiz war. Vielleicht gibt's auch einen kleinen Aufkleber einer Bank - alles fürs Bewegungsprofil.

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