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Gäste müssen Geduld mit der Gastronomie haben, findet unsere Autorin

Corona-Tage : Bier schmeckt auch ohne Krone

Lange haben wir auf die Wiedereröffnung der Gastro gewartet. Noch läuft dort aber nicht alles rund...

Eigentlich war’s ja nicht überraschend – so großartig, wie ich mir in den letzten Monaten meinen ersten Restaurant-Besuch nach dem Lockdown ausgemalt hatte. Als es dann letztes Wochenende endlich so weit war, konnten meine Erwartungen eigentlich nur enttäuscht werden, selbst wenn Jamie Oliver persönlich ein Sieben-Gänge-Menü für mich gezaubert hätte. Es gab nicht viel Auswahl, das Vorhandene war gut, aber irgendwie ein bisschen langweilig und das einzige angebotene Dessert machte mich so gar nicht an. Gut, das ist alles Geschmackssache. Viel schlimmer dagegen war das schlecht gezapfte Bier – ohne Schaum und deutlich unter dem Eichstrich.

Klingt das pingelig? Bestimmt. Zu meiner Verteidigung: Ich habe selbst jahrelang gekellnert und in vielen endlosen Kneipen-Nächten mehrere Tausend Liter verzapft. Schön war’s im Rückblick, aber irgendwann war ich auch froh, dass es vorbei war. Besonders während Corona – die Schließung der Gastro wäre für mein jüngeres Ich eine finanzielle Katastrophe gewesen. Und auch jetzt ist die Krise dort nicht ausgestanden, trotz niedriger Infektionszahlen und (phasenweise) fantastischen Wetters. Viele Kellner und Köche mussten sich im letzten Jahr nach neuen Jobs umsehen, nun vermelden Bars und Restaurants einen erheblichen Mitarbeiter-Mangel. Die Folge: Überarbeitung, reduzierte Karten, längere Wartezeiten. Und eben auch nicht optimal gezapftes Bier.

Was bleibt einem da als pingeligen Gast? Enttäuschung runterschlucken, sich in Geduld üben, nicht an Kleinigkeiten aufhängen und froh sein, dass die Gastro überhaupt wieder offen ist. Und das Wichtigste: gutes Trinkgeld geben. Aber das gilt nicht nur in Pandemie-Zeiten.

Die Redaktion hofft, dass der Bezug zum Lockdown im bisherigen Titel dieser Kolumne jetzt erstmal ausgestanden ist. Optimistisch, wie wir sind, haben wir deshalb vor Kurzem den neuen Titel gewählt: „Corona-Tage“ – mit der Option, das erste Wort bald streichen zu dürfen.