Flippseln in der Unterhose

Die Finnen haben's drauf. Während wir nämlich unseren Wortschatz mit ekelhaften Vokabeln wie Grundstücksentwässerungsanlage aufblähen, was nix anderes bedeutet als Regenrinne, verschönern die Finnen ihre Sprache mit so wohlklingenden Begriffen wie "kalsarikännit".

Das beschreibt kurz und knapp folgendes Vorhaben: Sich alleine zu Hause nur in Unterhose betrinken. "Was hast du denn heute vor?" "Kalsarikännit." Da erübrigt sich jede Nachfrage. Wir beschreiben zwar Ähnliches mit "Fußball glotzen", aber bei "kalsarikännit" schwingt noch so ein Hauch trister Poesie mit. Das hat was. Die Japaner haben angeblich ein eigenes Wort für Leute, die nur dann schön sind, wenn man sie von hinten sieht. Das ist natürlich auch sehr praktisch. Ähnlich praktisch veranlagt ist man in Malaysia, wo oft und gerne Bananen gegessen werden. Dort erledigt man Kleinigkeiten mal eben in "Pisan Zapra", was der Zeitspanne entspricht, die es braucht, um eine Banane zu mampfen. "Mach ich in Pisan Zapra", heißt es dort ständig. Wir brauchen auch derart schöne Begriffe für quatschigen Kram. Ich erfinde jetzt mal einen. Während ich erfinde, bin ich, wie so oft, am "Flippseln". Sie wissen nicht, was "flippseln" ist? Na, wenn man sich gedankenversunken im Zug, im Auto oder vorm PC an seiner Nase zupft, dann bezeichnet man das als "flippseln". Ob Finnen auch "flippseln"? Bestimmt, aber vermutlich nur in Unterhosen .

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