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Kolumne
Es sind nur gelbe Säcke!

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die größte Geißel der Menschheit? Ganz klar, der gelbe Sack. Zumindest wenn man die Leserbriefe, Beschwerden und Online-Kommentare zu diesem Thema liest, kommt man um diese Erkenntnis nicht umhin. Von Nicole Bastong

Wenn Bürger ihren Zorn und Unmut freien Lauf lassen, weil der Gelbe Sack zwei Tage, zwei Tage!, zu spät abgeholt wird, ja, der Nachbar ihn manchmal gar einen Tag zu früh rausstellt, wie das aussieht in der Straße, das Bändchen daran immer reißt, das Material ohnehin so dünn ist, dass man zwei Säcke übereinander stülpen muss, zwei!, und dass, wo es die begehrte goldene Rolle doch fast nirgendwo mehr gibt – da trieft bisweilen der Schaum und Geifer aus den Zeilen. Als gäbe es sonst keine Probleme.


Wenn man dann noch aus den Gemeinden hört, dass die Ausgabestellen für die gelben Säcke hinschmeißen wollen, weil sie sich nicht mehr unterirdisch beschimpfen, anschreien und ankeifen lassen wollen für etwas, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben, dass es sogar tätliche Angriffe gibt – da kann ich mich nur wundern, wie der Volkszorn sich bisweilen seine Wege bahnt.

Ja, es regt mich auch auf, wenn mein Müll nicht abgeholt wird. Aber muss der Wutbürger wirklich bei der Formulierung seines Unmuts jeden Anstand vermissen lassen? Kann man nicht, bevor man in die Tastatur oder auf den Ladentisch haut, mal ganz kurz in sich gehen und sich klar machen, worum es hier eigentlich geht: Es sind nur gelbe Säcke!