Kolumne Apropos Auch Banken meinen es mal gut . . .

Ein unerwarteter Geldsegen ist was Schönes – auch wenn er mit einer peinlichen (Selbst-)Erkenntnis verbunden ist...

Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Foto: Robby Lorenz

Die meiste Zeit liebe ich meinen Job, obwohl er furchtbar anstrengend sein kann. Und nicht alle Themen, über die ich schreiben soll, fesseln mich nachhaltig. Manchmal hält diese Arbeit aber Überraschungen parat, die mich glatt vom Hocker hauen.

So geschehen letzte Woche: Ein Leser hatte sich wegen der steigenden Tarife seiner Bank beschwert. Dem wollte ich nachgehen und rief zunächst die Website des besagten Kreditinstituts auf, um die Preise mit denen der anderen Banken im Lande zu vergleichen. Darunter auch meine eigene, bei der ich seit seligen Kindertagen ein Girokonto besitze.

Jedenfalls las ich mir (ich gebe zu: zum ersten Mal aufmerksam) die Konditionen meiner Bank durch. Stutzte. Las noch mal. Kramte die Kontoauszüge hervor, die (passenderweise) tags zuvor mit der Post gekommen waren. Blätterte hektisch bis zum Schluss, wo die Gebühren aufgeführt werden. Und traute meinen Augen nicht: Für Überweisungen, Zahlungen mit meiner Karte und Ähnliches latze ich jeden einzelnen Monat knapp 30 Euro – weil all diese Service-Leistungen bei meinem Vertrag extra kosten. Für den Grundtarif zahle ich dafür zwar nur drei Euro . . . aber für schlappe vier Euro mehr gibt es ein Angebot, bei dem sämtliche Gebühren inklusive sind.

Kopfrechnen zu können kann ein Fluch sein. Mir wurde schummrig beim Gedanken daran, wie viel Geld ich so die letzten Jahre in den Sand gesetzt habe. Denn ebenso blitzartig erinnerte ich mich wieder an die vielen Briefe, mit denen mich meine Bank vor Urzeiten mal bombardierte. Aufgrund meiner Kontobewegungen würde man mich gerne zu einem Gespräch einladen, um mir ein besseres Angebot zu … weiter las ich nie, sondern feuerte jedes dieser Schreiben in den Müll. „Ich lasse mir von denen doch nix andrehen!“, dachte ich dabei sogar noch großspurig. Wie doof kann man sein?

Meine Mutter wird mich umbringen, wenn sie das hier liest. Aber vielleicht nimmt diese peinliche Geschichte ja der eine oder andere Leser zum Anlass, selbst noch mal seine Bankverträge zu prüfen. Dann hätte die Sache wenigstens noch was Gutes. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte: Ich muss dringend meine Bank anrufen. Tarif wechseln.

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