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Die lila Strähne der Flippigkeit

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ARRAY(0x9a63978) FOTO: Robby Lorenz
Apropos. Marc Prams

Nicht mal Zweitklässler machen in einer Klassenarbeit über Quantenphysik so viele Fehler wie Menschen, wenn sie einen vermeintlich tollen Charakterzug von sich hervorheben möchten. So gibt es ja nichts Komplizierteres als Leute, die von sich behaupten, sie seien unkompliziert. Denn bei denen hört die Unkompliziertheit spätestens dann auf, wenn an den Vierertisch ein fünfter Stuhl gestellt wird. "Also ich bin ja nun echt nicht kompliziert, aber wie soll man denn bitte da in Ruhe essen?", sagen sie dann, faseln noch was von einem "absoluten No-Go" und verlangen ganz unkompliziert nach dem Geschäftsführer.
Ganz schlimm sind auch all jene, die sich das Wort "spontan" auf die Fahne der Selbsteinschätzung schreiben. Gerne mit dem Zusatz "total". Denn "total spontane" Menschen sind genau so spontan, dass sie heute planen, was sie in zwei Wochen machen werden. Und Ende Januar sagen sie so Sachen wie: "Wir haben uns heute ganz spontan entschlossen, im Spätherbst in die Normandie zu fahren."

Richtig irre wird es aber erst, wenn die Adjektive "flippig" und "verrückt" bei der eigenen Charakteranalyse ins Spiel kommen. Flippig heißt nämlich übersetzt nur so viel wie: "Ich habe eine lila Strähne im Haar und einen Duftspender im Auto, der aussieht wie Elvis." Verrückt bedeutet hingegen leider genau das: Sie sind verrückt. Und zwar im Sinne von: "Ich habe 26 Katzen, weil 26 meine Glückszahl ist."

Aber die Allerschlimmsten sind die, die ständig erzählen, wie glaubwürdig sie sind. Die lügen nämlich wie gedruckt. Das können Sie mir ruhig glauben.