Demmer-Brandbrief aus Saarlouis an Bouillon wirkt nach

Wochenkolumne : Wer schadet hier wem?

„Alles, was hier gesagt wird, könnte verunsichern.“ Irgendwie erinnert eine Reaktion auf Peter Demmers Brief an Klaus Bouillon mich an diesen Spruch.

Am liebsten würde ich den auf den Mond schießen: Würde ja dieser Tage ganz gut passen, wenn der Minister und der Oberbürgermeister das voneinander denken würden. Ex-Polizist Peter Demmer hat seinem Ex-Dienstherrn, Innenminister Klaus Bouillon, bekanntlich einen Brandbrief geschrieben. Über der Festung Saarlouis weht das weiße Fähnchen. Kapitulation vor Gewalt in der Stadt. Das kleine Häuflein Ordnungshüter, das Bouillon noch hier belassen hat, musste sich schon mal zurückziehen vor den übermächtigen Straftäter-Horden.

So weit, so schlecht. Spannend ist aber diese Frage, die gestellt wurde: Darf der OB öffentlich seine Stadt so schlecht reden? Schadet er ihr nicht massiv? Könnte nicht etwa auch die öffentliche Diskussion um die gefährdete Sicherheit im Saarlouiser Freibad dazu geführt haben, dass dort der Besuch einbrach und damit Einnahmen? So was gehört intern geklärt, sagte jemand dazu.

Interessanter Einwand. Erinnert aber auch ein bisschen an den seinerzeitigen Bundesinnenminister Thomas De Maizière mit seinem legendären „alles, was ich dazu sage, könnte Sie verunsichern“. Wer also schadet hier wem? Klare Antwort: Die Täter uns allen. Denen muss der Inhaber des Gewaltmonopols in unserem Land, der Staat, Einhalt gebieten. Das können seine Vertreter intern oder öffentlich besprechen. Egal. Aber passieren muss etwas.

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