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Unsere Woche
Immer auf die volle Distanz

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Stellen Sie sich das einmal vor: „Wunderbar, wie die Kanzlerin hier aufgetreten ist.“ „Großartig, was die Ministerin da vollbracht hat.“ „Der Landrat? Wie immer mit absolutem Einsatz.“ „Ja, die Bürgermeister: Ohne Fehl und Tadel.“ Stellen Sie sich vor, nur so würden wir berichten. Und stellen Sie sich vor, dabei würden wir keinem Herausforderer der Leute an der Spitze seine Leistung anerkennen. Was wäre wohl los, wenn wir diese Herangehensweise pflegten? Ich glaube, das könnte ohne Verwarnung zu Roten Karten führen.

Nur warum geht das im Sport durch – distanzlos über die volle Distanz? Im deutschen Fußballpokal ist RB Leipzig gegen Bayern München rausgeflogen. Es wurde konsequent benachteiligt und verlor deshalb, obwohl es die spielerisch bessere Mannschaft war. Besser als der Rekordmeister und -pokalsieger Bayern. Dass der Traditionsverein aus München gegen den Emporkömmling aus Sachsen straflos foulen und meckern durfte, hat die Reporter nicht auf die Palme gebracht. Kritische Anmerkungen oder Fragen, ob das ein würdiger Auftritt der großen Bayern war? Fehlanzeige.



Nein, ich will mir gar nicht vorstellen, dass das von uns erwartet würde. Und wer will überhaupt kriecherisch gelobhudelt statt kritisch begleitet werden?