Kolumne Apropos Liebe geht durch den Google Übersetzer

Wie Künstliche Intelligenz helfen kann, wenn die Stimme versagt – aber auch für Lacher sorgt. Unsere Kollegin schildert ihre Erlebnisse.

Apropos von Tina Leistenschneider Liebe geht durch den Google Übersetzer​
Foto: Robby Lorenz

Auf einmal war sie weg, meine Stimme. Nichts ging mehr, nur ein Krächzen kam noch über meine Lippen. „Sie klingen aber erkältet“, meinte die Arzthelferin, als ich aufgrund meiner Heiserkeit in der Praxis anrief und nur mühsam die Worte vorbrachte. Der Arzt bestätigte meinen Verdacht und verordnete: Stimme schonen, nicht reden. Auch flüstern nicht – das schadet noch mehr.

Also blieb der Mund geschlossen, zustimmende Brummlaute verließen nur schwer meinen Rachen. Ich würde von mir selbst sagen, kein großer Redner zu sein. Wie sehr wir jedoch auf unsere Stimme angewiesen sind, merke ich erst, als ich zum Schweigen verdammt bin und mich auf die einfachsten Fragen nach dem Befinden nicht mehr artikulieren kann. Doch was tun, wenn man nicht jede Frage mit einem Nicken oder Kopfschütteln beantworten kann?

Klar, Zettel vollkritzeln, ist eine Idee. Oder auf dem Handy alle Antworten aufschreiben. In meiner Not bin ich aber noch auf eine Alternative gestoßen: Im Google-Übersetzer meine Nachricht eintippen und dann durch die Roboterstimme vorlesen lassen. Das sorgte nicht nur für den ein oder anderen Lacher bei der ulkigen Aussprache der Künstlichen Intelligenz bei manchen Wörtern, sondern ahmte auch ein Gespräch nach.

Und so tippte ich alles ins Handy ein und ließ alles meinem Partner vorlesen. Wie es mir geht, was ich essen will und welche Serie ich gucken wollte. Und auch Liebesbekundungen. Denn gibt es etwas Romantischeres, als über eine emotionslose Roboterstimme seine Liebe auszudrücken? Ich glaube nicht.

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