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Kneipen in der Altstadt Saarlouis leiden unter Corona-Vorschriften

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastronomie öffnet wieder am 18. Mai : „Ein Witz“ – Altstadt-Kneipen leiden unter Corona-Vorschriften

Viele offene Fragen, große Sorgen, ob überhaupt Gäste kommen: Die Wirte der Saarlouiser Altstadt blicken der Wiedereröffnung skeptisch entgegen.

Am Montag erwacht die Altstadt Saarlouis aus ihrem Corona-Schlaf. Allerdings leicht verkatert, wenn man den Wirten der Altstadt zuhört. „Wir fühlen uns ziemlich allein gelassen“, sagen Michael und Vera Leinenbach vom „Black out“. Es gebe so viele unbeantwortete Fragen: Was zum Beispiel macht man mit Arbeitskollegen, die in der Mittagspause zusammen herkommen? „Muss ich die dann auch auseinandersetzen?“, fragt Michael Leinenbach. Dennoch: „Wir werden im Laufe der Woche wieder öffnen. Wir sind das auf jeden Fall unseren Gästen schuldig“, findet er.

Allerdings sei unter den Auflagen kein Geld zu verdienen: Weniger Kapazität, bei unveränderten Betriebskosten. Was ebenfalls bei den Kneipen auf Unverständnis stößt: Die Sperrstunde um 22 Uhr. „Warum?“, fragt Leinenbach. „Ist die Ansteckungsgefahr nach zehn Uhr abends größer?“ Viele der Regelungen seien einfach schwer nachzuvollziehen. Zudem müsse man Desinfektionsmittel besorgen und Masken, was im Augenblick nicht so einfach sei. „Wir werden sehen, wie es läuft – und dann sehen wir weiter“, meint er.

Allein gelassen fühlt sich auch Steffen Käßner aus der kleinen Tradtionsgaststätte „Zum Schwaggi“. „Bei uns sieht es mit dem rotweißen Absperrband aus wie auf einer Baustelle“, sagt er. Er ist sauer auf den Oberbürgermeister, den Gastroverband DEHOGA und den Altstadtförderverein. „Vom Altstadtförderverein hat sich in der ganzen Zeit niemand auch nur mal blicken lassen“, sagt er. Auch von DEHOGA – „unser Hauptansprechpartner in solchen Sachen“ – habe er wenig bis nichts erfahren, ebenso von der Stadt. „Voll der Witz“, ist sein Kommentar zu den Auflagen. Dennoch werde er am Montag öffnen: „Es ist Wahnsinn, aber was will man machen?“

Käßner hat Desinfektionsmittelspender und Informationsschilder aufgehängt, Trennwände für den Innenbereich und natürlich Masken. Draußen auf der Terrasse zeigen Markierungen auf dem Boden, ob Tische und Stühle richtig stehen. 50 Prozent weniger Sitzplätze werde er draußen haben und drinnen 30 bis 40 Prozent. Zum Ausgleich bietet er Essen außer Haus an. „Aber wir wissen ja gar nicht, was kommt“, sagt er. „Wenn die Plätze ausgeschöpft werden können, ist es gut, dann kommen wir über die Runden.“ Deshalb hofft er auch auf die eher ältere Stammkundschaft. Die Sperrstunde? Öffnen kann er ohnehin nur von 10 bis 20 Uhr. „Sonst müsste ich einen zweiten Koch bezahlen und das können wir uns im Moment einfach nicht leisten.“

Skeptisch ist auch Erni Müller vom „Humpen“, dienstältester Wirt der Altstadt. Auch er wird am Montag versuchsweise öffnen, von 12 bis 22 Uhr. „Wir werden das erst mal probieren. Das muss man schon machen“, sagt er. Zur vorgeschriebenen Erfassung der Gäste und ihrer Verweildauer in der Kneipe hat er sich Listen drucken lassen. Auch ihm geht durch die Abstandsregel allerhand Umsatz verloren. Das „extrem wichtige“ Thekengeschäft fällt komplett weg. Und dass die Umsatzsteuersenkung auf sieben Prozent nur für Speisen gelte und nicht für Getränke, hält der Schankwirt „für einen schlechten Witz“. Sein Glück ist die relativ breite Terrasse, auf der einige Gäste Platz finden können. Umso mehr ärgert ihn die Sperrstunde: „Wieso dürfen die Leute nicht wie sonst bis 24 Uhr draußen sitzen?“

Das versteht auch Olaf Zimmer vom „OZ“ nicht. Er hat eine der schmalen Kneipen mit kleiner Terrasse, weshalb ihn die Abstandsregelung hart trifft. „Ich bin da pessimistisch“, sagt Zimmer, er rechnet mit Einbußen von 75 Prozent. „Wie sollen wir bei all den Auflagen noch Umsatz machen?“ Zumal sonst gerade an Wochenenden viele erst um 22 Uhr kommen. Um seine kleine Kneipe halbwegs vernünftig bespielen zu können, hat er Plexiglasscheiben zur Abtrennung besorgt und teilt sich draußen eine Trennwand mit dem Nachbar „Dublin“. Auch öffnet er probeweise schon um neun Uhr.

Unterm Strich herrscht unter den Wirten eine große Unsicherheit, wie der Neustart verlaufen wird, zumal es keine Erfahrungswerte gibt. Noch nie waren so lange alle Kneipen zu. Viele Fragen sind offen, und so hoffen die Wirte, dass das Ordnungsamt am Montag durch die Altstadt geht und Unklarheiten wohlwollend klären kann.