„Holz ist meine große Leidenschaft“

Bundespreis : „Holz ist meine große Leidenschaft“

Die Schreinerei Ney aus Fraulautern erhält als Handwerksbetrieb den Bundespreis für Denkmalpflege.

Herbert Ney aus Fraulautern führt als Schreinermeister in zweiter Generation einen Handwerksbetrieb, der unter anderem auf Denkmalpflege spezialisiert ist. Bei zahlreichen historischen Gebäuden hat er mitgeholfen, sie wieder in Schuss zu bringen und zu renovieren. So auch ein 200 Jahre altes Bauernhaus in Saarbrücken. Für dieses Projekt wird seine Firma am 14. November mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege geehrt. Auch andere Firmen aus dem Kreis Saarlouis werden ausgezeichnet (siehe Bericht unten).

„Wir sind auf Türen und Fenster aus Holz spezialisiert, in dem Bereich können wir eigentlich alles machen“, betont der Firmenchef bei einem Besuch der SZ: „Ich liebe Holz, es ist ein reiner, natürlicher und warmer Werkstoff – ganz im Gegensatz zu Plastik.“ An dem historischen Bauernhaus, bei dem er mit seinen insgesamt neun Mitarbeitern rund ein Jahr gearbeitet hat, lieferte seine Firma die Fenster, Fensterläden und die große Tür. „Das Haus war total marode, es war ein ordentliches Stück Arbeit, die wir dort reinstecken mussten“, erinnert sich Ney.

Alleine die Kosten der Firma haben sich bei diesem Projekt auf gut 70 000 Euro summiert, die komplette Sanierung des Hauses sei aber um ein Vielfaches teurer gewesen, sagt Ney: „Gebaut haben wir alles aus massivem Eichenholz aus dem Saarland, wir achten darauf, dass unsere Ressourcen aus der Region kommen.“ Den Auftrag erhalten hat die Firma auf Empfehlung des Saarbrücker Architekten Igor Torres, der ebenfalls mit dem Bundespreis geehrt wird. „Wir haben im Laufe der Jahre zahlreiche historische Bauwerke mit restauriert, meines Wissens sind wir im Bereich Fenster und Türen auch die einzige Firma im Saarland, die das kann“, vermutet Ney.

Problem bei der Denkmalpflege sei, dass bei einer Restaurierung die exakt selbe Optik wie im Originalzustand hergestellt werden muss: „Das ist um einiges komplizierter als bei modernen Fenstern und Türen – da lassen sich auch die neuen Techniken nicht anwenden.“ So ist quasi jedes produzierte Fenster ein Einzelstück. Die Besonderheit bei alten Fenstern ist, dass sie durch die Einfachverglasung viel schmäler sind, was dazu führt, dass es viel handwerkliches Geschick erfordert, damit die Fenster auch stabil gebaut sind und zusammenhalten. „Das erfordert äußerste Präzision und jahrelange Erfahrung – das kann man nicht in einem Kurs oder einfach in der Ausbildung lernen“, verrät der Schreiner.

Auch sind die Formen alter Fenster und Türen häufig andere als heute, so gab es früher beispielsweise Torbögen, größere massivere Türen oder ovale Fenster: „Es gibt nichts, was wir nicht machen können, aber es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, dem historischen Vorbild zu genügen.“ Auch von Technik muss der Handwerksmeister etwas verstehen, so besuchte er mehrere Lehrgänge, um die 500 000 Euro teure Holzzuschneidemaschine programmieren und bedienen zu können: „Da die Fenster so unterschiedlich sind, muss man die Maschine immer wieder von neuem programmieren – nicht, wie bei den neuen genormten Fenstern.“

So müssen sich Ney und seine Mitstreiter bei jedem Projekt ihre Sporen von neuem verdienen – dass sie viele Kunden haben, die immer wieder kommen, macht Ney stolz: „Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass die Leute Holz zu schätzen wissen.“

Dass Ney mit dem Bundespreis ausgezeichnet werden soll, hat ihn dennoch überrascht, da seine Firma in 70 Jahren schon viele historische Projekte in Angriff genommen hat. So haben sie etwa geholfen, einige alte Pfarrhäuser zu restaurieren. Aktuell sind sie dabei, mehrere historische Fenster in der Französischen Straße in Saarlouis zu bauen, aber auch Projekte in Stuttgart, Rom und sogar in Trinidad hat die Firma schon übernommen.

„Ich freue mich sehr über den Preis und bin auch stolz, für mich kommt er leider zehn Jahre zu spät“, betont der Firmenchef – Ende des Jahres geht der 64-Jährige nämlich in Rente und übergibt seinen Familienbetrieb in jüngere Hände. Übernehmen wird André Jodt aus Norddeutschland, der seit Anfang des Jahres in der Firma tätig ist. Er sagt: „Ich will die Firma so weiterführen, wie es die Familie Ney jahrzehntelang gemacht hat – es ist eine riesige Verantwortung.“ Auch Jodt ist auf historische Denkmalpflege spezialisiert und will versuchen, diese Firmentradition zu erhalten.

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