Generalinspekteur Zorn in Saarlouis über Bundeswehr

Perspektiven des Generalinspekteurs : „Unsere Arbeit nicht von außen erklären lassen“

Generalinspekteur Eberhard Zorn will mehr Entscheidungsfreiheit für die Bundeswehr vor Ort - und weniger Einfluss von Beratern.

  Unübertrefflich schien die Formulierungsgabe des deutschen Militärs zu sein. Einst erfreute die Armee ihre Wehrpflichtigen mit „Käse, Schmelz, Schmelzkäsezubebereitung“ und dergleichen. Doch jetzt sieht sich die Bundeswehr einer Niederlage ausgesetzt. Die lässt sie aber nicht auf sich sitzen, versicherte der oberste deutsche Soldat, Generalinspekteur Eberhard Zorn, am Freitag in Saarlouis.

Denn  „Käse, Schmelz“ übertrifft, dass der Dienstplan von Ausbildungseinheiten nicht mehr so heißt, sondern „Lernumfeld“. Und dass aus der Artillerieschule Idar-Oberstein der  „Ausbildungsbereich Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung/Indirektes Feuer (AusbBer STF/IndirF)“ wurde. Schluss damit, plädierte Zorn, „keine Änderung der Hausnummern mehr“, also keine Umbenennungen mehr, und damit, dass „ wir uns von außen erklären lassen, welche Sprache wir benutzen“. Denn die neuen Sprachungetüme hat sich nicht das Militär selbst ausgedacht, sondern deren externe Berater.

Zorn referierte auf Einladung der Standortkameradschaft Großraum Saarlouis im Deutschen BundeswehrVerband über Perspektiven der Bundeswehr im Zeichen globaler Veränderungen. Innerhalb der Bundeswehr, das war einer seiner roten Fäden, wünscht er sich ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Das ging aus seinen Beispielen hervor. Berater? Nicht dort, wo „sie uns erklären, wie wir unsere Arbeit zu machen haben“. Wohl aber dort, wo sie unverzichtbar seien, etwa im Bereich IT.

Bewegungsfreiheit in der Bundeswehr ist vor allem Geschwindigkeit. Sieben Jahre dauere der Bau eines Gebäudes in einer Kaserne. Schneller ginge es, sagte er, wenn es einen Einheits-Typ gäbe. Und nicht regional unterschieden werde, „im Schwarzwald mit Zapfen dran, im Norden mit Reetdach“.

Zorn  skizzierte die zahlreichen neuen Perspektiven für die Bundeswehr, die sich aus einer veränderten globalen Lage ergäben, darunter vor allem die starken weltweiten strategischen Interessen Russlands und Chinas.

Eine dieser Perspektiven: „Gleichrangig und gleichzeitig“ zu den zwölf Auslandseinsätzen mit derzeit 3500  Soldaten rüste die Bundeswehr die Landes- und Bündnisverteidigung wieder auf. Da geht es vor allem um die Grenze der baltischen Staaten zu Russland, zu deren Schutz NATO-Partner im Baltikum übten. Zorn sagte, da werde es „Bilder geben wie bis in die 80er Jahre“, wenn ganze Verbände quer durch Europa „geschleust“ würden. Mit allen Problemen: Die gelben Gewichtsschilder seien längst von den meisten Brücken verschwunden, die Bahn gehöre nicht mehr dem Staat, Transportraum müsse gekauft und koordiniert werden. Und es könne Unmut angesichts von Staus erregen, wenn die Kolonnen über Autobahnen geführt würden. In der ersten Hälfte 2020 werde es dazu eine große Übung geben.

Für die Aufgabe Bündnisverteidigung kaufe die Bundeswehr auch Leopard-Panzer aus dem Ausland zurück, um sie technisch für die neue Bündnisverteidigung  umzurüsten. Teile werden derzeit erprobt, wie jetzt im Erprobungsgelände Großen Sand in Fraulautern.

Die starken Ängste  an der Grenze zu Russland müssten in Deutschland mehr kommuniziert werden; „das ist nicht ausreichend angekommen in den Köpfen der Bürger“.

Überhaupt Kommunikation: Zorn ist dafür, dass die Bundeswehr stärker auf die sozialen Medien setzt, weil sie dort ihre Sicht „authentisch“ darstellen könne. Er forderte die über 250 Kommandeure in Deutschland auf, direkt in die Kommunikation mit der Öffentlichkeit einzusteigen und „authentisch und sinnvoll erklären, was sie Gutes tun“.

Ein weiteres Anliegen: „Mehr Verantwortung nach unten geben. Entscheidungsbefugnis vor Ort. Da will ich hin. Mach!“

Der Vier-Sterne-General Eberhard Zorn stammt aus Saarbrücken, er war 2010 bis 2012 Kommandeur der damaligen Luftlandebrigade 26 in Saarlouis. Generalinspekteur ist er seit 2018.

Noch bis 6. Dezember erprobt die Bundeswehr in Fraulautern Teile des Panzers Leopard II. Lärm wolle sie möglichst begrenzen, sagt sie. Foto: Thomas Mischo, Mitarbeiter der WTD 41,

Er zeichnete eine „komplizierter“ gewordene sicherheitspolitische Lage, in der die militärische Zusammenarbeit in EU und NATO aber bestens funktioniere. Auch die Brexit-Debatte habe das nicht verändert. Politik sei das eine, Militär das andere.

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