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Fraulauterner Brücke: STtatssekretär Jürgen Barke macht im Stadtrat Saarlouis Vorschläge

Fraulauterner Brücke : Der Ball rollt ins Feld der Stadt Saarlouis

Jetzt wird ernsthaft geprüft, ob die Fraulauterner Brücke nicht doch noch 20 Jahre hält. Und dann ganz wegfallen kann - eine für die Stadt Saarlouis teure Lösung. Darüber informierte Staatssekretär Jürgen Barke im Stadtrat Saarlouis.

Wirtschaftsstaatsekretär Jürgen Barke (SPD) ist es gelungen, die Wogen beim Streit-Thema Fraulauterner Brücke zumindest im Stadtrat Saarlouis zu glätten. Barke war auf Betreiben des Rates am Donnerstagabend zu einer Sondersitzung gekommen, um sich von den Ratsmitgliedern befragen zu lassen. „Das hat etwas bewirkt, dafür danke ich Ihnen auch als Fraulauterner“, bilanzierte am Ende Jürgen Paschek (CDU), der noch Anfang des Jahres rhetorisch mit Gelbwesten auf der Brücke als Protest gewedelt hatte. Die CDU-Fraktion, die sich besonders hartnäckig gegen die Aussage gestellt hatte, zu einem Ersatz für die ungeliebte Brücke gebe es keine Alternative, applaudierte, ebenso ein Teil der Zuhörer. „Der Tanker bewegt sich“, erklärte auch Gabriel Maren (Grüne).

Barke stellte sich ganz hinter den seinem Ministerium unterstellten Landesbetrieb für Straßenbau (LfS). Schon 2012 sei dort die Entscheidung zum Neubau der 1953 gebauten Brücke gefallen. Damals habe das Ingenieurbüro Rogmann aus Homburg einen Erhaltungszustand 3,4 festgestellt. 2018 habe er 3,8 betragen. Bei 4,0 müsse die Brücke gesperrt werden. Der LfS habe zwingend die Aufgabe, die volle Funktion der Bundesstraßen zu erhalten. Die Brücke bedient eine Kreuzung von B 405 und B 51alt. Deswegen sei ein Neubau die richtige Entscheidung gewesen. Unabhängig von anderen Entwicklungen werde der LfS den Ersatzbau auch weiter planen. Die Brücke werde nun jedes Jahr von LfS-Ingenieuren einmal neu überprüft.

Aber: „Der LfS betreibt Straßenbau, keinen Städtebau“, sagte Barke. Städtebaulich aber habe sich eine neue Situation ergeben, das habe vom absoluten Nein zu Alternativen zur jetzigen Sichtweise geführt.

Aus Saarlouis und Fraulautern nämlich sei signalisiert worden, dass ein kompletter Verzicht auf die Brücke denkbar sei. Das sei etwa im Zusammenhang mit dem Langzeitprojekt „Soziale Stadt“ vorstellbar, das den Ortskern beleben soll. „Das war eine neue Situation.“

Die neue Situation erlaube „einen atypischen Vorschlag“, sagte Barke: Prüfen, ob die Brücke noch etwa 20 Jahre benutzt werden kann; bis dahin müsste der Ostring auf jeden Fall in Betrieb sein. Sollte die Brücke für einige Jahre zu ertüchtigen sein, müsste die Stadt beschließen, dass die Brücke langfristig gar nicht gebraucht werde. Sie würde dann die B 405 herabstufen lassen zu einer kommunalen Straße. Damit würden die Kosten für den kleineren Brücken-Ersatz und den Straßenunterhalt an die Stadt gehen. Der Bund könnte die vorgesehenen 15 Millionen Euro sparen, dafür aber die in jedem Falle billigere Ertüchtigung bezahlen. Gut vorstellbar, mutmaßte Barke, dass der Bund sich darauf einließe. Das Ganze brauche aber fömliche Beschlüsse des Stadtrates.

Ob aber, wie, wie lange und zu welchem Preis die Brücke noch instand gesetzt werden könne, werde erstmal geprüft. Das Gutachten zahlt das Land. Beauftragt werden soll das Saarlouiser Büro SBS. Derzeit werde das Pflichenheft erarbeitet, sagten Barke und OB Peter Demmer. Ergebnisse könnten da wohl nicht schon Ende April vorliegen, wie es der Stadtrat beschlossen habe, kritisierte Raphael Schäfer (CDU). Offenbar kann es bis Herbst dauern, denn „ein tiefer EInstieg“ der Gutachter in das Bauwerk sei nötig, sagte Barke. Gründlichkeit gehe ihm vor Schnelligkeit, es gehe ja um Sicherheit.

Was wäre denn mit Tunnel oder Unterführung unter der Bahnlinie? Barke: Das Bauwerk wäre 572 Meter lang, der Beton-Trog 727 Meter, der Tunnel würde etwa 100 Millionen Euro kosten. Das gelte aber nur, stellte sich auf Nachfrage von Hubert Ulrich (Grüne) heraus, wenn der Tunnel dieselbe Leistungsfähigkeit hätte wie jetzt die Brücke. Eine kleine Lösung wäre weniger aufwendig, die müsste dann aber nach Abstufung der Bundesstraße die Stadt bezahlen. Im Hinterkopf behalten solle man sie trotzdem, sagte SPD-Fraktionschef Hakan Gündüz.

Ulrich warf dem Wirtschaftministerium Versagen vor, denn die Brücke sei ein so bedeutendes Projekt, dass sich das Land planerisch einbringen müsse, was aber nicht geschehe.

Barke verteidigte auch die lange Planungszeit für den Ostring bis frühestens 2030. Den Vorschlag von Altomaro Locurcio (FWG), das aufwendigste Stück Ostring, die Verbindung von B51 neu (an der Saar) unter der Bahn durch zur B 51 alt (Saarbrücker Straße) als eigenes Bauprojekt herauszutrennen und zuerst zu beginnen, wies Barke als rechtlich nicht zulässig zurück; Locurcio widersprach dem.

Barke räumte in dem Gespräch auch ein, dass es zu „volkswirtschaftlichem Schaden“ komme, wenn der Ersatzneubau der Brücke über drei Jahre gebaut werde. An die Folgen für Handel und Gewerbe erinnerten mehrere Redner. Eine „Ertüchtigung“ der Brücke würde allerdings auch Verkehrsbehinderungen mit sich bringen, unterstrich Barke.